164 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
die Streitmacht, die Mittel und Hülfsquellen des Staates tiberlassend,wenigstens in Italien, und das war die Hauptsache. Wenn er als Be-schützer des Staates und seiner Gesetze, sowie des Volkes auftrat, sohatte er das ganze gesetzliche Kecht, eine ungeheure moralische Machtauf seiner Seite. Endlich handelte er selber, persönlich, mit ungewöhn-lichem Geist und Energie, war vollkommen frei in seinen Handlungen,von Niemandem abhängig und Allen befehlend, und Alle gehorchten un-ter seinem Einflüsse ihm blindlings. Pompejus dagegen hatte für sichnur die Minorität, Senat und Aristokratie, wenn auch die Vornehmen,Mächtigen, Reichen, gegen sich aber die Majorität, das Volk, die Parteides Volkes und seine eigne Partei. Ja, der den Pompejus umgebendeSenat und Adel war für diesen mehr ein Unglück als eine Stärkung.Ihren Beweggründen, Ansichten und Meinungen musste er sich vollkom-men fügen, es war ihm unmöglich, ganz frei nach eignem Ermessen undWillen zu handeln. Dazu kam, dass der Senat, Adel und Anhang desPompejus, die Feinde Cäsar's überhaupt, in solcher Verblendung überihre Macht und über die Ohnmacht Cäsar's lebten, dass sie nicht im Ge-ringsten an ihrem Siege zweifelten, rechtzeitige Massregeln zu ihremSchutze zu treffen verabsäumten, und im entscheidenden Augenblicke,dem Uebergange Cäsar's über denßubicon, vollkommen ahnungslos über-rascht wurden.
So war denn unzweifelhaft die materielle Ueberlegenheit auf desPompejus, das moralische Uebergewicht aber, jene erheblich übertref-fend, auf Cäsar's Seite.
Schliesslich ist noch ein Wort über die Zahl der Legionen Cäsar'sin Gallien vor Beginn des Bürgerkrieges zu sagen. Es wurde schonfrüher erwähnt, dass bei seiner Ernennung zum Consul im Jahre 59 erdrei Legionen, später dann noch eine, im Ganzen vier erhielt. Als erden Helvetiern nach Gallien folgte, hatte er noch zwei Legionen im cis-alpinischen Gallien und später noch sieben ausgehoben, ja Pompejusselbst hatte (als sie noch in guten Beziehungen zu einander standen) ihmeine Legion (die erste) aus Italien geschickt. Auf diese Weise hatte Cäsarzuerst vier, dann sechs, acht, zehn, zwölf, zuletzt vierzehn Legionen(jede durchschnittlich 5000 Mann, im Ganzen 70,000 Mann) in allen Pro-vinzen zu seiner Verfügung, von denen zwölf (60,000 Mann) in den Jah-ren 51 — 50 in Gallien jenseits der Alpen standen, zwei Legionen aber(10,000 Mann) im cisalpinischen Gallien und Illyrien, davon die 15te inBavenna. Nach Beendigung des gallischen Krieges hatte der Senat ver-fügt, dass Cäsar wie Pompejus je eine Legion zur Entsendung nachSyrien gegen die Parther abgeben sollte. Cäsar hatte in Befolgung die-ses die erste Legion des Pompejus und seine 15te nach Rom geschickt,und an Stelle der letzteren die 13te nach Ravenna gesandt, sodass er