40. Allgemeiner Ueberblick über den Krieg Cäsar's in Gallien. \ 43
Es ist bemerkenswerth, dass bei der Aufstellung in zwei, drei odervier Treffen immer die der Nummer nach älteren und besseren Cohortenim ersten Treffen standen und kämpften, die mittleren und jüngeren, dieweniger zuverlässigen oder guten im zweiten, dritten oder vierten, gradeumgekehrt wie es früher bei der Aufstellung in Manipeln gebräuchlichgewesen war.
Die Bestimmung der Eeiterei in der allgemeinen Aufstellung zurSchlacht war Abweisung der feindlichen Cavallerieangriffe, Umfassungder feindlichen Flanken und Verfolgung des Feindes im Fall des Sieges.Die Cavallerie formirte sich gewöhnlich auf beiden Flügeln der Legionen,entweder zu gleichen Theilen, oder auf dem einen stärker als auf demandern, oder nur auf einem Flügel, oder hinter den Legionen, je nach-dem die Umstände, Bedarf, Terrain u.s. w. es erheischten. So war siebei Bibracte ganz hinter die Legionen zurückgenommen, weil sie unzu-verlässig schien, und gegen Ariovist ebenso, weil dessen Heer in Flan-ken und Rücken durch eine Wagenburg gedeckt war.
Das leichte Fussvolk wurde in den Intervallen der Reiterei oder derLegionen auf der ganzen Linie der Front, oder vor derselben, besondersaber auf den Flanken der Legionen vertheilt, um deren Umfassung zuhindern und selber den Feind zu überflügeln. Beim Angriff war es vongeringem Nutzen, dagegen sehr von Nutzen, wenn der Angriff des Fein-des abgewartet werden sollte.
,Die ganze Schlachtordnung der Armee zerfiel in Centrum [aciesmedia), rechten und linken Flügel (cornu dextrum, comu sinistrum),bildete aber ein grosses geschlossenes Ganzes. Die gewöhnlich zuerstin Thätigkeit tretenden Frontalabtheilungen waren die Flügel der Caval-lerie und dann die einzelnen Legionen, zu deren Anführern Cäsar nachder Schlacht gegen Ariovist seine Legaten ernannte. Auf den Flügelnstanden stets die der Nummer nach ältesten und besten Legionen, imCentrum die jüngeren und weniger zuverlässigen. Gewöhnlich eröffneteder rechte Flügel den Kampf und führte den Angriff aus (so gegen Ario-vist), bisweilen auch der linke, je nach Umständen. Lagen keine beson-dern Ursachen für die eine Joder andre Art vor, so liebte Cäsar, gleichAlexander d. Gr., es mehr, den rechten Flügel zuerst zum Angriff vor-gehn zu lassen. Auf den angreifenden Flügel wurden die besten undbesonders bevorzugten Legionen gestellt,'so z. B. die zehnte, welchewahrscheinlich die erste gewesen war, die Cäsar in der römischen Pro-vinz gefunden und mit der er die Operationen am Rhodanus gegen dieHelvetier eröffnet hatte.
Der normale Verlauf des Kampfes selbst war nun der folgende: vordem Beginn desselben ritt der Feldherr zu den einzelnen Legionen undhielt ibnen kurze Reden cohortatio), wobei er sie an ihre früheren