142 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Angustiis (32.'i—30 v. Chr.).
auch d er römische Normalkampf die Offensive, die Defen-sive nur eine Ausnahme.
Die Normalaufstellung der Legionen für die Offensivschlachtwar die in drei Treffen (acies triplex), eine Legion neben der andern,sodass eine Armee von sechs Legionen im ersten Treffen 24 Cohorten,im zweiten und dritten je 18 Cohorten hatte. Aber nur das erste undzweite Treffen betheiligte sich zunächst am Kampfe, das dritte blieb alsReserve zur Verfügung des Feldherrn. Der Hauptzweck der ersten bei-den Treffen war der, den Feind direct in der Front anzugreifen, welcheAusdehnung diese auch haben mochte, und den Gegner zurückzudrän-gen, zu schlagen, zu vernichten, wobei eine Linie die andre ablöste.Das dritte Treffen (die Reserve) hatte je nach Umständen und dem Gangdes Gefechts entweder eine offensive oder eine defensive Bestimmung,die erstere zur Ausführung des entscheidenden Stosses, die zweite zurDeckung und Sicherung der Flanken der beiden vordem Treffen, fallsder Feind sie umfasste. In der Schlacht gegen die Helvetier bei Bibractetrat das dritte Treffen nicht eher ins Gefecht, als bis die Bojer und Tu-linger in der rechten Flanke des ersten und zweiten Treffens erschienen.Da erst führte Cäsar sein frisches drittes Treffen gegen diese vor, unddie beiden ersten erhielten dadurch die Möglichkeit den Kampf fortzu-führen und zu beenden. In der Schlacht gegen Ariovist hatte der römischerechte Flügel gesiegt, der linke aber wurde stark gedrängt, Cäsar schicktedemselben seine frische dritte Linie zu Hülfe, welche nun auch diesemzum Siege verhalf. In den dieser Schlacht vorhergehenden Gefechten be-festigte die dritte Linie unter dem Schutz der ersten und zweiten das Lagerund konnte, sobald es nöthig wurde, sofort ins Gefecht geführt'werden.
Es folgt hieraus, dass je nach Umständen die Armee zum Kampfeauch in zwei oder vier Treffen [acies duplex, acies quadraplex) aufge-stellt werden konnte: in zweien, wenn das dritte Treffen durch andre(nicht Legionare) Truppen gebildet werden konnte, oder wenn aus ver-schiedenen Ursachen man eines solchen nicht bedurfte. So formirteCrassus bei dem Angriff auf das Lager der Aquitanier nur acht Cohortenin zwei Linien, vier Cohorten Hess er in seinem Lager als Reserve zu-rück und schickte sie erst gegen Ende des Treffens zum Angriff auf denRücken des feindlichen Lagers. In vier Treffen konnten Legionenoder Cohorten in solchen Fällen formirt werden, wo den Reserven, derdritten und vierten Linie, eine sowohl offensive als defensive Verwen-dung in der Front oder den Flanken bevorstand. Hierbei war die dritteLinie stets für den Frontalangriff bestimmt, die vierte dagegen zur Ver-theidigung der Flanke; diese vierte Linie stellte sich deshalb nicht hinterdem dritten Treffen auf, sondern je nach Umständen in gleicher Höhemit ihm oder sogar vorwärts desselben.