40. Allgemeiner Ueberblick über den Krieg Cäsar's in Gallien. 141
die Intervalle des zweiten Treffens zurückgingen. Auf diese Weisebetheiligten sich die zweite und auch die dritte Linie nach und nach amKampfe und unterstützten einander.
Die oben geschilderte römische Taktik zu Cäsar's Zeit hatte beiallen ihren Vorzügen (Einfachheit, Kraft u. s. w.) doch auch ihre Män-gel und ihre bestimmten Bedingungen oder Voraussetzungen. Sie erfor-derte starke, gewandte und vor Allem tapfre Soldaten, einen kräftigenAnlauf und Stoss, für die Vertheidigung aber hatte sie mancherlei Nach-theile und machte die Legionen nicht ganz unabhängig vom Terrain. Ob-gleich das römische Legions- oder schwere Fussvolk seine Bogen-schützen aus der leichten Infanterie der Hülfstruppen und die ante-sipiani bes&ss (d. h. die vor den Feldzeichen und geschlossnen Trup-pen standen und kämpften), welche Cäsar ihm beigegeben hatte, so gabes doch nur wenige vollkommen brauchbare Bogenschützen, die ante-signani waren überhaupt keine Bogenschützen, und das Legions-Fuss-volk war von dem leichten Fussvolk besonders in seiner taktischen Be-stimmung vollkommen verschieden. Daher war es unmöglich, eineFormation zu finden, in welcher sich die Kampfart der einen Infanterie— in geschlossenen Massen — mit der der andern Infanterie — in zer-streuter OrdnungMtte vereinigen lassen. Ein Grund dazu mochte u. A.in der damaligen ungenügenden Beschaffenheit der Beiterei, namentlichin ihrem gänzlichen Mangel an Ausdauer und Standhaftigkeit liegen,woher denn bei ihr leichter und rascher, als beim Fussvolk, Unordnungund Verwirrung einriss u. s. w. Dem konnte aber in keiner andernWeise abgeholfen werden, als indem man der Keiterei für die Zeit desKampfes eine eng mit ihr verbundene Infanterie zugesellte, die leichtgenug war, um den Bewegungen der Beiterei folgen zu können, aberauch geeignet und im Stande, der feindlichen Cavallerie entgegen zutreten, und zwar nicht aus der Entfernung, sondern im Nahegefecht.Cäsar verwendete hierzu mit grossem Vortheil das germanische Mieths-fussvolk nnd seine Antesignanen, indem er sie in kleinen Abtheilungen(der Stärke der Manipeln entsprechend) in die Intervalle der Keitereistellte. Sie fielen in geschlossenen Haufen die attakirende feindlicheCavallerie an oder folgten der eignen angreifenden Cavallerie, brachenin die Intervalle der feindlichen Keiterei ein und thaten ihr vielen Scha-den, namentlich indem sie deren Pferde tödteten.
Die eigentlichen Schlachtentruppen der Römer überhaupt undCäsar's im gallischen Kriege waren die Legionen. Sie konnten denKampf ganz selbstständig durchführen ohne Unterstützung und Mitwir-kung der andren Truppengattungen, und wenn von diesen LetzterenNichts zur Hand war, so wurde dies auch von ihnen gefordert. Und dain ihrer Taktik der Hauptaccent auf die Attake gelegt wurde, so war