40. Allgemeiner üeberblick über die Kriege Cüsar's in Gallien. 129
aus Gründen verständiger Vorsicht und weil er noch kein volles Ver-trauen auf sich selbst erlangt hatte.
Hatte er in offner Feldschlacht den Sieg gewonnen, so unterliessCäsar nie, falls er selbst nicht durch den Kampf zu erschöpft war, dengeschlagenen Feind nachdrücklichst zu verfolgen, wozu er mit Nutzenund Erfolg seine Cavallerie verwendete. Gleichzeitig und im Zusammen-hange hiermit suchte er sofort auch die politischen Vortheile zu erlan-gen, um derentwillen der Krieg geführt wurde. Dies erreichte er durchdas rasche Erscheinen seiner Legionen inmitten der besiegten Stämme,und Städte wie Eegierungen unterwarfen sich ihm ohne Widerstand. In-dem er ihnen vor Allem Lieferung von Lebensmitteln und Stellung vonTransportmitteln auferlegte, mischte er sich in ihre inneren Angelegen-heiten, setzte allgemeine Volksversammlungen und dergleichen an, kurz,legte den Grund zu seiner Herrschaft. Ganz richtig rechnete er dabeinicht allein auf den materiellen, sondern hauptsächlich auf den mora-lischen Einfluss seines Sieges, und daher hielt er es auch für thunlich,nach dem Siege seine bis dahin zusammengehaltenen Kräfte zu theileu.So rückte er nach dem Siege über die Nervier, gegen die Aduatuker nurmit sieben Legionen, während er Crassus mit der achten Legion alleinan den untern Liger (in die heutige Bretagne) schickte, wo die dortwohnenden Völker auf die Nachricht von den Erfolgen und Siegen Cä-sär's sich dem Crassus widerstandslos unterwarfen.
Die den Feldzug abschliessenden Erfolge traten meist im Herbst ein,beendeten die Campagne, und nun wurden die Truppen in Winterquar-tiere gelegt. Die Auswahl der Gegend oder des Landes hierfür erfolgtenicht ohne gewichtige Gründe für dieselbe. Die römische Provinz vonsolchen Winterlagern frei haltend, verlegte Cäsar diese gewöhnlich inverschiedene Orte Galliens, indem er dadurch die unterworfenen Stämmean die Anwesenheit römischer Legionen zwischen ihnen, an deren Un-terhaltung durch regelmässige Contributionen und an die römische Herr-schaft gewöhnte. Wenn aber diese Stämme, diese Gefahr erkennend,sich aufs Neue erhoben, so gaben sie Cäsar dadurch den Vorwand zuneuem Kriege und zur Erweiterung der römischen Herrschaft im folgen-den Jahre. Nach dem Siege über Ariovist legte Cäsar sein Heer für denWinter in den östlichen Theil des Sequaner-Landes um Vesontio (Be-sancon), weil es dort noch reiche Vorräthe von Lebensmitteln gab, dierömische Provinz nicht weit entfernt war und Cäsar die Belgier be-drohte, während die Sequaner sich ruhig verhielten. Im folgendenJahre (57) nach Besiegung der Belgier, verlegte er seine Truppen für denWinter an den untern Liger, wo Crassus die dortigen Stämme schongenügend dazu vorbereitet hatte. Die Sequaner mussten geschont wer-den, die Remer hatten in dem Kriege gegen die Belgier auf Cäsar's
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,4. g