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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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. Allgemeiner Ueberblick über den Krieg Cäsar's in Gallien. 121

weniger schwer in dem erforderlichen oder befriedigenden Masse zu er-langen waren. Als Mittel zur Erlangung derselben dienten: entwederdie Entsendung besondrer Offiziere des Heeres, Kömer oder vorzugs-weise Gallier, oder ganzer Reitercorps (gallische oder germanische),oder Verbindungen mit befreundeten gallischen Stämmen oder mit 1 denRömern ergebenen Parteien unter denselben, oder endlich gewaltsameRecognoscirungen mit grösseren Truppen-Abtheilungen. Dieser letzte-ren Art gehören die Unternehmungen oder Expeditionen Cäsar's Überden Rhein gegen die Germanen, und tibers Meer gegen die Britan-nier an.

Cäsar war in Gallien stets schwächer als seine Gegner an Trup-penzahl, aber ihnen weit überlegen in der militärischenAusbildung seiner Legionen, durch ihr Sieges vertrauen unddurch die ungewöhnliche, so zu sagen, Arbeitskraft derselben, oderihre Fähigkeit, unglaubliche Mühen und Entbehrungen zu ertragen undebenso unglaubliche Arbeiten auszuführen 'so z. B. bei der Belagerungvon Gergovia und namentlich von Alesia). Daher sind seine eigenenWorte wohl begreiflich, dass es mit solchen Truppen möglichsei, den Himmel umzukehren!

Cäsar liebte es nicht, seine Legionen durch eine grosse Anzahl vonverbündeten oder Mieths - Hülfstruppen zu verstärken (gallische undgermanische), da sie schlecht ausgebildet waren; er beschränkte sichauf das unbedingt Nothwendige, namentlich an Reiterei und Bogen-schützen. Es wurde schon früher erwähnt, dass er in Gallien keinerömische Reiterei, sondern nur gallische und germanischeHülfscavallerie hatte, deren Oberbefehl er, wahrscheinlich aus politi-schen Gründen, gallischen und germanischen vornehmen, aber treuenund zuverlässigen Führern anvertraute (siehe Anmerkung *** S. 16).

Die numerische Ueberlegenheit seiner Gegner in Gallien, Germa-nien und Britannien veranlasste ihn, möglichst wenig und selten seineeignen Kräfte zu thei 1 en, sondern sie vorwiegend geschlossen zu-sammen zu halten; wenn eine Theilung derselben bisweilenunvermeidlich war, so Hess er dieselbe nur vorübergehend eintreten, umbei der ersten Gelegenheit sie wieder zu concentriren. So in denFeldzügen gegen die Helvetier und Ariovist, wo er seine sämmtlichensechs Legionen beständig beisammen hielt, so bei dem Feldzug gegendie Belgier, den er mit seinen ganzen acht Legionen eröffnete.

Aus demselben Grunde suchte er immer seine Feinde zur Thei-lung ihrer Kräfte zu nöthigen, musste aber dabei zu seiner eignenConcentration den Feind eher angreifen, als dieser zu den Waffenzu greifen und sich zu sammeln vermocht hatte, und schlug danndie vereinzelten Kräfte desselben. Dabei ersetzte er seine relative