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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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10. Allgemeiner Ueberbliek über den Krieg Cäsar's in f4allien. | | (l

sich als grosser Feldherr erweist, nur noch erhöhen können, wenn diesenicht durch seine Grausamkeit und Unmenschlichkeit verdunkelt wür-den, Eigenschaften, die er überhaupt in dem ganzen Kriege in Galliennicht selten, und dabei ungerechter Weise und zum Nachtheil seinereignen Interessen und seines Ruhmes hervortreten liess. Man muss hierunter Andern auch das anführen, dass er die Verdienste und die Tapfer-keit des Vercingetorix nicht ehrte, des Einzigen unter den Galliern, derein seiner würdiger Gegner war, und den er aus Eitelkeit, um sichdamit zu rühmen, gefangen hielt zu seinem Triumphe in Rom undnachher hinrichten liess! Das Alles gereicht in sittlicher Beziehung demCäsar nicht zur Ehre. Aber dies ausgenommen, und abgesehn von derUngesetzlichkeit und Unrechtmässigkeit seiner Kriege in Gallien gegendie Gallier überhaupt, wie jener Züge über den Rhein gegen die Germa-nen und über das Meer gegen die Britannier, verdient sein gallischerKrieg, namentlich in militärischer Beziehung, besondere Beachtung,unter Anderm auch deshalb, weil Cäsar in demselben zur vollen Ent-wicklung seiner kriegerischen Gaben und seiner Kriegskunst gelangteund dadurch seinen politischen Rivalen, Pompejus, weit überflügelte,wie wir später sehn werden. Napoleon I. sagt gelegentlich der ThatenCäsar's in dem letzten Kriegsjahre in Gallien (51), dass Cäsar dabei nurSeitens der Einwohner des heutigen Beauvais auf ziemlich heftigen Wi-derstand gestossen sei, welche an dem Kriege des Vercingetorix gegenihn sehr geringen Antheil genommen und mehr Klugheit und Geschickgezeigt hätten, als die übrigen Gallier: die Bewohner des heutigen Berryund Chartres dagegen hätten aus Furcht gar keinen Widerstand ge-leistet ; Cäsar aber sei nach der Einnahme von Uxellodunum (heute Ca-horsj unmenschlich grausam verfahren, indem er den Vertheidi-gern der Stadt die Hände abhauen liess, und er fügt hinzu, dass Cäsarüberhaupt grausam (cruel), häufig sogar bestialisch [firoce] gegendie Gallier gehandelt habe.

§. 275.

Art und Kunst der Kriegführung Cäsar's in Gallien.1) Vorbereitende Massregeln und Anordmmgen vor dem Feldzuge.

Cäsar hatte sich das Hauptziel der Kriegspolitik Roms in vollstemMasse angeeignet und es in dem Kriege in Gallien (wie in den darauffolgenden) aufs Wirksamste zum Ausdruck gebracht, dieses Ziel, welchesseit Gründung Roms in der Erweiterung seiner Macht in undausser Italien bestand, in der letzten Zeit der Republik aber haupt-sächlich auf die Eroberung der ganzen damals bekannten