Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
118
Einzelbild herunterladen
 

| 18 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (32.':!30 v. Chr.).

Talente, seine Feldherrnkunst entwickeln sich weit mehr, als in denvorhergehenden Campagnen, namentlich als in den beiden ersten gegendie Helvetier und Ariovist. Man kann sagen, dass in den sechs Jahrenseit jener Zeit er die ebensolange praktische Schule des Krieges in Gal-lien mit solchem Erfolge und Nutzen für sich durchgemacht hatte, dasser zu der hohen Stufe, auf welcher er später stand, erheblich vorge-schritten und sich ihr bedeutend genähert hatte. Durch die Anspannungseiner Kräfte, seine Thätigkeit, seine Entwürfe und deren Ausführunghatte er sich gerechten Ruhm erworben. Viele Einzelheiten seinerHandlungen, besonders seiner fortificatorischen und Belagernngsarbei-ten bei der Belagerung von Alesia mögen für unsre Zeit seltsam, ganzunverständlich, oder gar zu bezweifeln scheinen. Es kann sein, dassdie Nachrichten über dieselben uns nicht vollständig, oder nicht ingenügender Weise, entweder durch Cäsar selber, oder durch Verstüm-melungen des Originals seiner Commentare überkommen sind. Für denForscher aber, der nicht kleinliche Details, sondern die grossen allge-meinen Resultate ins Auge fasst, welche von entscheidendem Einflüsseauf den ganzen Krieg waren, werden die Belagerung und Einnahme vonAlesia stets eins der grossartigsten Kriegs-Unternehmen und Ereignissedes Alterthums sein, und sind immer so angesehn worden. Cäsar voll-brachte dabei Alles, was man nur von einem so grossen Feldherrn er-warten konnte; seine Kriegsthaten bilden mit Recht ein erhabnes Mu-ster für die Nachwelt, sie haben ihm hohen und verdienten Ruhm einge-tragen . Napoleon I. , der im Allgemeinen die Thaten Cäsar's in Gallienziemlich strenge beurtheilt, äussert sich lobend über das Verhalten, wiedes Vercingetorix und der Gallier, so auch der Römer, indem er sagt,dass die Entschlossenheit der Gallier, die Stärke ihres Heeres und dieKunst des Vercingetorix den Römern in diesem Feldzuge zum Ruhmegereichen, er spricht aber mit keinem Worte von der Kunst und demRuhme Cäsar's selber, bemerkt vielmehr nur, dass derselbe in dieserCampagne mehrere Schlachten geschlagen und drei Belagerungen ge-führt habe, von denen ihm zwei glückten, und dass er zum ersten Malemit 80,000 Soldaten es gegen (nach Napoleon's Meinung) die vereintenKräfte der Gallier, nämlich 80,000 Mann des Vercingetorix und 240, (ludMann Hülfstruppen, im Ganzen 320,000 Mann, zu thun hatte. Die Tha-ten der Gallier, fügt er hinzu, zeugen von ihrer Energie und Tapferkeüaber auch von ihrer Ohnmacht, in Folge des Mangels an Ordnung,Disciplin und Einsicht.

Die weiteren Versuche der Gallier, den Römern ihre Unabhängig-keit wieder abzuringen, waren im Vergleich zu den vorhergegangenennur noch unbedeutend. Sie würden unsere Anerkennung der Gegen-massregeln Cäsar's, der mehr und mehr an Selbstvertrauen gewinnt und