Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
113
Einzelbild herunterladen
 

40. Allgemeiner Ueberblick über den Krieg Cäsar's in Gallien. 113

Nachdem Cäsar diese Seite durch sein mildes Verhalten gegen diedort wohnenden Völker gesichert hatte, vollführte er, nach Besiegungder Helvetier und des Ariovistund deren Rückkehr nach Helvetien, resp.über den Rhein, unter Mitwirkung der Aeduer und der übrigen mit Rombefreundeten Stämme gleichfalls einen keilförmigen, in der rechten Flankedurch den Vogesenzug gesicherten Vorstoss gegen die Belgier über dieWasserscheide der Mosa (Meuse) und Matrona (Marne) bis an die FlüsseAxona (Aisne) und Sabis (Sambre). Dieser Zug Cäsar's ging längs desheutigen Argonnerwaldes und -Gebirges zwischen Aisne und Aire überdie heutigen Städte Vesoul, Langres und Rheims. An den Ufern deroberen Mosa und Mosella (Mosel) im Gebiete der befreundeten Leukerund Lingonen (Toul und Langres 1 wurden eine Menge befestigte römischeLager errichtet, zum Schutze der rechten Flanke der römischen Armee.Zugleich unterhielt Cäsar sorgfältig friedliche Beziehungen zu den er-wähnten Volksstämmen bis zur Moselmündung hin.

Diese zweite strategische Position Cäsar's in Gallien bei seinem con-centrischen Vorstosse in das Innere des Landes führte allmälig zurBesiegung und Unterwerfung der Völker vorzugsweise des nördlichen(belgischen) Galliens und ihrer Bundesgenossen, wie des westlichenKüstenstriches, des südwestlichen (aquitanischen) und des südöstlichen,lugdunischen und sequanischen Gebietes, ja sogar zu den beiden Zügenüber den Rhein nach Germanien und den beiden Zügen übers Meernach Britannien. Nach der Meinung der neuesten Forscher fanden diebeiden Uebergänge über den Rhein, nach den Einen bei dem heutigenKöln etwa, nach den Andern und wahrscheinlicher zwischen dem heu-tigen Koblenz und dem unterhalb desselben gelegenen Andernachstatt, die beiden Uebergänge nach Britannien aber vom heutigen Bou-logne aus.

Endlich nach Ueberwindung des allgemeinen Aufstandes der Gallierin Central-Gallien, dem celtischen, und Erstickung des letzten Aufstan-des der Belgier vollendete Cäsar die Unterwerfung Galliens durch Be-siegung der letzten Ueberbleibsel der gallischen Heere in Aquitanien.

Auf diese Weise hatte Cäsar, indem er vom Rhodanus aufwärts amArar zur Axona, Sabis, Mosa und Mosella in Gallien vordrang, im Allge-meinen seine centrale Stellung namentlich im celtischen Gallien, undvon dieser centralen Stellung führte er seine hauptsächlichsten Unter-nehmungen vorzugsweise gegen die verschiedenen Theile und Völkerdes belgischen Galliens aus, da die in demselben wohnenden Völkerschaf-ten die rauhesten, wildesten und kriegerischesten waren und sich derHülfe ihrer Nachbarn im Osten, der ebenso kriegerischen Germanen amUnterrhein erfreuten. Daher waren auch die schwierigsten OperationenCäsar's in Gallien die in diesem Theile desselben verlaufenden; die

flalitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 4. &