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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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112
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\ | 2 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

untadelhaft operirt, und zugleich milde, menschenfreundlich, hoch-herzig auftritt, daneben aber auch grosse und schwere Fehler begeht,ungerecht, grausam, ja barbarisch und unwürdig eines hochgebildetenRömers aus jener Zeit des heidnischen und schon sehr verderbten Romsverfährt. Das Eine wie das Andre, die helle wie die dunkle Seite wurdenbereits früher ihres Ortes erwähnt, wir wollen deshalb, ohne schon Ge-sagtes hier zu wiederholen, nur die allgemeinen und hauptsächlichstenUmrisse der Kriegsthaten Cäsav's in Gallien vom strategischen, takti-schen und überhaupt militärischen Standpunkte aus näher beleuchten").

Rom hatte schon bei Beginn seiner Bürgerkriege im transalpini-schen Gallien erfolgreich gekämpft. Die römische Politik die reicheHandelsstadt Massilia (heute Marseille) und den verbündeten gallischenStamm der Aeduer zu schützen, hatte die römische Armee nach Süd-Gallien geführt und dieses Land zwischen dem Rhodanus, den Alpenund dem Meere zur römischen Provinz gemacht (mit der Haupt-stadt Narbo, heute Narbonne, und der Bezeichnung »narbonensischesGallien«).

Als Cäsar im Jahre 58 den Krieg gegen die Helvetier in Gallien er-öffnete, gehörte das Land östlich vom Rhodanus bis nach Lugdunumhinauf (heute Lyon) schon unter Roms Oberhoheit. Westlich und nörd-lich vom Rhodanus wohnten die den Römern verbündeten gallischenStämme der Aeduer und Sequaner, von Osten her drohten die alpinenBergvölker mit einer Bewegung ins Rhodanusthal und versperrten feind-lich die nächsten Bergpässe nach Nord-Italien oder ins cisalpinischeGallien.

So war die strategische Lage der römischen Provinz vom Meerenach Gallien hinein oder hinauf eine keilförmige, und aus ihr herausunternahm Cäsar seine concentrische Bewegung nach Gallien hinein;Cicero nannte sie in seiner Rede über die Consular-Provinzen einenschmalen Streifen**). Der Krieg Cäsar's mit den Helvetiern undAriovist hatte den vorläufigen Zweck, die rechte Flanke der römischenArmee, wo das Land zwischen den Gebirgszügen der Vogesen und desJura einen bequemen Eingang für die überrheinischen Germanen vomRheine her in das reiche Land der Sequaner (Bourgogne) bildete, zuschützen.

*) Als Führer hierbei dienten vorzugsweise die Werke von: Napoleon I.,Precis des guerres de Cesar; Los sau, Ideale der Kriegführung etc., Caesar;Rüstow, Heerwesen und Kriegsfiihrung C. Julius Cäsar's, und K.F. Untersuchun-gen über die Kriegführung der Körner gegen die Deutschen etc.

**) »Semitam tantum Galliae tenebamus antea« Cicero de provinciis consula-ribus, 13. Capitel. Anmerkung des Uebersetzers.