40. Allgemeiner Ueberblick über den Krieg Cäsar's in Gallien. 1 ] \
und jenseit des Meeres gegen die Britannier. Weder Diese, noch 'Jenehatten ihn angegriffen, oder auch nur bedroht, sie sollten nur— wie Cäsarsagt — beständig die Gallier durch Truppen unterstützt haben, wasnicht allein zweifelhaft, sondern wie es scheint einfach unwahr war.Gallier, Germanen wie Britannier waren zahlreiche, freie und unab-hängige, halbwilde oder ganz wilde Völkerschaften und standen als ein-ander benachbart in fortwährender bald friedlicher, bald feindlicher Be-rührung mit einander, bald sich befehdend, bald sich vertragend. Werkann Cäsar's Worten in seinen Aufzeichnungen glauben, dass diese dreiVölker mit einander in irgend welchen Beziehungen regelrechter,wohlgeordneter Reiche gestanden hätten! Die Commentare Cä-sar's wurden von ihm vorzugsweise für seine Zeitgenossen in Rom undfür seine persönlichen Zwecke geschrieben, die sie auch förderten unddurchsetzten. Aber die spätere Nachwelt, vornehmlich unsere Zeit kannunschwer, wie es scheint, dieses dünne Gewebe absichtlicher Entstellun-gen der Wahrheit zu persönlichen selbstsüchtigen Zwecken zerreissen,wie sehr es auch mit hochtönenden heuchlerischen Phrasen vom Wohldes Staates und der Ehre und Würde des römischen Volkesverdeckt sein möge!
Mit einem Wort — in dem ganzen acht Jahre währenden Kriege.Cäsar's in Gallien erscheinen in kriegspolitischer Beziehung vollkom-men legal und gerecht von seiner Seite, nur seine beiden Feldzügegegen die Helvetier und Ariovist mit den Germanen im ersten Jahre(58). Alle seine übrigen Kriege in Gallien nebst seinen vier Unterneh-mungen oder Expeditionen über den Rhein gegen die Germanen undübers Meer gegen die Britannier waren ebenso ungerecht und un-rechtmässig seinerseits, als hingegen legal und gerechtfertigtseitens der Gallier, Germanen und Britannier. Diese drei Völker kämpf-ten für ihre Freiheit und Unabhängigkeit, für ihr Vaterland, Cäsar da-gegen für die Mittel zur Erlangung der höchsten unbegrenzten Machtin Rom! Daher erscheint er in kriegspolitischer Hinsicht indem gallischen Kriege durchaus nicht in einem glänzenden, ja nicht ein-mal in einem fleckenlosen Lichte.
§. 274.Der Krieg Cäsar's in Gallien in strategischer Beziehung.
Ganz anders stellt sich das Urtheil über Cäsar in diesem Kriege vonder eigentlich kriegerischen Seite her in jeglicher Hinsicht. Da er-scheint er vollkommen als der grosse Feldherr von Natur undGeburt, der, obgleich noch Anfänger und Lernender, doch bald