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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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110 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

die ganze Sachlage. Wenn man Cäsar's eignen Worten in seinen Com-nientaren glauben will, so waren alle folgenden Gründe und Veranlas-sungen zu dem Kriege gegen die verschiedenen Stämme Galliens imvollsten Einklänge mit den Interessen und der wahren Politik Roms, undfolglich vollkommen legal und gerecht. Aber es ist schwer ihmhierin zu glauben; oder höchstens kann man es nur insoweit, als dieseGründe und Anlässe mit seinen persönlichen Interessen, Absichtenund Beweggründen übereinstimmten. Für diese war der Krieg Cäsar'smit den verschiedenen Völkerschaften Galliens unerlässlich, und dieerste Gelegenheit dazu bot (nach Cäsar's Worten) die Bildung einerOffensiv- und Defensiv-Alliance der Belgier und vieler celtischen Galliergegen die Römer, wodurch Cäsar sich veranlasst sah (wie er selbst sagtihnen durch Hinüberspielen des Krieges in ihr eignesLand zuvorzukommen. Das war aber in kriegspolitischer Hinsichtdurchaus weder legal noch gerecht. Die Celten und besonders dieBelgier wohnten nicht nahe den Grenzen der Römer, sondern weit davon:erst wenn sie dieselben angriffen oder gegen sie aufbrachen, konnteCäsar sie mit Fug und Recht an diesen Grenzen selbst zurückweisenoder die den Römern entgegenziehenden bekämpfen. Aber das Wohldes Staates, die Ehre und Würde des römischen Volkessollte fordern den Belgiern zuvorzukommen, und Cäsar fiel in ihrLand ein, in Nord- Gallien, in den der römischen Grenze entgegen-gesetztesten Theil dieses Landes! Wir brauchen den UnternehmungenCäsar's in Gallien gegen die verschiedenen Völkerschaften und in denverschiedensten Gegenden und Theilen desselben, in Nord oder Süd,West oder Ost, oder in der Mitte nicht Schritt für Schritt zu folgen. DieGründe und Ursachen waren, nach Cäsar's Worten, immer dieselbenBlindnisse und Aufstände der Stämme Galliens, die Notwendigkeit, dieeinen zu zersprengen, die andern niederzuschlagen, als ob Galliennicht ein unabhängiges, sondern bereits ein den Römern unterworfenesLand gewesen wäre und es sich nicht um einen Kampf mit für ihre Frei-heit und Unabhängigkeit aufgestandenen Völkern, sondern mit sich em-pörenden römischen Unterthanen gehandelt hätte! So vernichtet undunterwirft Cäsar die Belgier im Norden, die Veneter an der Westküste,die Moriner und Menapier im Nordwesten, die Usipeter, Tenchterer undTrevirer im Nordosten, die Senonen und Carnuten im Innern, endlichalle Stämme Galliens überhaupt in dessen ganzem Gebiete nach nichtgleichzeitig erfolgten Erhebungen, von denen die allgemeinste, kräftigsteund gefährlichste die des siebenten Kriegsjahres (52) war.

Aber der Krieg mit den Galliern, allein in Gallien, war, wie mansieht, für Cäsar's Absichten noch nicht 'genügend, deshalb verbin-det er damit noch den Krieg jenseits des Rheines gegen die Germanen