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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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109
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40. Allgemeiner üeberblick über den Krieg Cäsar's in Gallien. 109

Alles Uebrige musste, obne Zweifel, ihm als Mittel zur Erreichungdesselben dienen, besonders aber die Armee und der Krieg.Das Eine musste dem Andern nutzen: die Armee den Krieg führenund weiter ausbreiten, der Krieg die Armee bilden und stählen. Des-halb wünschte Cäsar Nichts so sehr als den Krieg, und der Zufalloder sein aussergewöhnliches Glück trieb grade in diesem Momente dieHelvetier zur Ausführung ihrer schon im Jahre 61 beabsichtigten Ueber-siedelung aus Helvetien in das südöstliche transalpinische Gallien, andie Grenzen der römisch-narbonensischen Provinz. Dies gab dem Cäsarden erwünschten und vollkommen legalen Anlass zum Kriege mit denHelvetiern, denen er unter keinen Umständen gestatten durfte undwollte, dass sie in das transalpinische Gallien eindrängen und sich dortniederliessen. Der Glücksstern Cäsar's führte eine Verkettung von ihmgünstigen Umständen nach der andern herbei. An den Rhodanus zu-rückgedrängt, zogen die Helvetier durch das Land der den Römernverbündeten Aeduer, und diese wie die ihnen verbündeten Am-barrer und Allobroger riefen Cäsar zu Hülfe. So erscheint Cäsarvon dem ersten Schritte im cisalpinischen und transalpinischen Gallienan als der vollkommen gesetzmässige Schützer der römischenGrenzen wie der römischen Bundesgenossen. Nach der Niederlage derHelvetier bei Bibracte, nachdem ihre Unterwerfung angenommen undsie gezwungen sind nach Helvetien zurückzukehren, scheint das be-rechtigte Ziel des mit ihnen geführten Krieges erreicht, denn die Gren-zen und Bundesgenossen der Römer sind beschirmt, und für Cäsar lag keinrechtmässiger Grund und Anlass zu weiterem Kriege in Gallien vor.Aber Cäsar's Glück bringt ihm einen neuen Grund dazu, indem Ariovistmit den Germanen durch die Sequaner und Arverner über den Rheinzur Hülfe herbeigerufen wird und die Aeduer sich an Cäsar wenden. Ob-gleich Ariovist den Römern ganz ebenso verbündet war, wie die Aeduer, sobewog doch der Umstand, dass er den Aeduern, Arvernern und SequanernTribut auferlegte und ein Drittel ihres Gebietes in Besitz nahm, diesedrei Stämme zur Bitte um Hülfe bei Cäsar. Nichts konnte sowohl denlegalen, als den persönlichen heimlichen Beweggründen Cäsar's,diesen drei Stämmen und später den Trevirern gegen Ariovist und dieüberrheinischen Germanen zu Hülfe zu kommen, mehr entsprechen.Nach Besiegung des Ariovist und Zurückweisung der Germanen, wievordem der Helvetier, von den Grenzen Galliens, hatte Cäsar in den beiden Feldzügen des ersten Jahres seiner Verwaltung in ebenso recht-mässiger wie glänzender Weise seine Pflicht, die Grenzen des römischenGebietes und der mit Rom-verbündeten gallischen Stämme zu schützen,erfüllt.

Allein schon im folgenden zweiten Jahre des Krieges ändert sich