Vierzigstes Kapitel.
Allgemeiner Ueberblick über den Krieg Cäsar'sin Gallien und über Art und Kunst seiner Krieg-führung dort.
§. 273—274. Der Krieg Cäsar s in Gallien in kriegspolitischer und strategischer Be-ziehung. — §. 275—277. Art und Kunst der Kriegsführung Cäsar's in Gallien.Strategische Operationen. — §. 278—280. Taktische Operationen Cäsar's und tak-tische Organisation seiner Truppen in Gallien. — §. 281—282. Feldbefestigungs-und Belagerungskunst. — §. 283. Schluss.
Quellen und historische Hülfsmittel: Commentare Cäsar 's, Turpin de Crisse,Guischard, Napoleon 1., Lossau, Rüstoiv, K. F. Untersuchungen etc., und dieübrigen in der Vorrede zu diesem Tlieile erwähnten.
§. 273.Der Krieg Cäsar's in Gallien in kriegspolitiseher Beziehung.
Wenn wir den Krieg Cäsar's in Gallien in seinem allgemeinen Zu-sammenhange überblicken, vor Allem in kriegspolitischer Hin-sicht, und alles oben (im 36. Kapitel, I, §. 250 — 253) über CäsarGesagte, besonders seit dem Zeitpunkt seiner Ernennung zum Consulim Jahre 59, mit allen ihm beigelegten Pflichten und Rechten, erwägen,so scheint es, als sei Cäsar von Hechts wegen verpflichtet gewesen.nur die Nordgrenzen der ihm anvertrauten römischen Provinzen gegenden Angriff der Gallier, Helvetier und Germanen zu schützen, unab-hängiger Völker, welche zu jener Zeit nicht nur den Römern nicht offenfeindlich, sondern zum Theil sogar ihnen verbündet waren (so dieAeduer und Ariovist). Aber konnte damals in Rom überhaupt die Redeoder auch nur ein Gedanke sein von Gesetzlichkeit, Recht undGerechtigkeit? Rom war zu dieser Zeit vollkommen in der Gewaltdreier ehrgeiziger Männer, Pompejus, Crassus und besonders Cäsar, vondenen Jeder im Stillen nach der ungetheilten, unbeschränkten, oberstenMacht trachtete, ohne Zweifel (wie bei "allen Ehrgeizigen dieser Art)lediglich zum allgemeinen Nutzen des römischen Volkesund Staates! In Cäsar namentlich war dieser Gedanke von seinerJugend auf mit gross geworden, er war Cäsar's beständiges Hauptziel.