Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

38 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

'gerathen würde, sobald der Krieg sich aufs Neue an verschiedenen OrtenGalliens gleichzeitig entzünde, denn dadurch werde es dem Cäsar anZeit, an Truppen und an dem gegenseitigen Zusammenwirken dieserTruppen fehlen, um überall die Gallier überwältigen zu können. DieseLetzteren hofften hierbei, dass keiner ihrer Stämme sich der zu Wider-herstellung ihrer alten Unabhängigkeit erforderlichen Opfer weigernwerde. Dieser so ausgedachte Plan der Gallier hätte für Cäsar undseine Armee äusserst gefährlich werden können, wenn unter den Gal-liern Einigkeit und Einverständniss .herrschte und ein geschickter Feld-herr, wie z. B. Vercingetorix einer war, sie geführt hätte. Da aber vonalledem Nichts war, so konnte der Plan der Gallier nur unglücklich undzu ihrem Nachtheil auslaufen. Dazu kam nun noch, dass Cäsar, währendsie noch rathschlagten und rüsteten, auf die Kunde hiervon sofort ent-schlossen war, der Ausführung ihrer Absichten schleunigst zuvorzu-kommen. Seinem Quästor M. Antonius den Schutz der Winterquartiereanvertrauend, brach er am letzten Tage des Jahres 52 mit seiner Eeite-rei rasch aus Bibracte (Antun) ins Biturigische (Berry) auf, wo die12te Legion lag. Nachdem er die benachbarte Ute Legion an sich her-angezogen, drang er unter Zurücklassung von zwei Cohorten zum Schutzder dortigen "Winterquartiere rasch in das Innere des Landes der Bituri-ger ein; seiner Avantgarden-Cavallerie hatte er verboten die Wohnungender Bevölkerung anzuzünden, tbeils um diese Letztern dadurch sich ge-neigt zu machen, theils um sich selbst nicht die Verproviantirung imLande zu erschweren. Sein Einfall ins Biturigische geschah so raschund unerwartet, dass die zum Aufstande noch durchaus nicht gerüsteteuBituriger gar nicht an Widerstand dachten, sondern ihre Bettung nur inder Flucht suchten. Aber die sich über das ganze Land ausbreitendeCavallerie Cäsar's ergriff einen Theil der Fliehenden und schnitt denUebrigen alle Wege in die Länder der benachbarten Stämme ab. Aufdiese Weise beschützte und erhielt sich Cäsar die Anhänger der Böinerohne Kampfund Blutvergiessen, während er ihren Widersachern solchenSchrecken einjagte, dass sie sich ihm unterwarfen und Geiseln gaben,worauf Cäsar sie seinerseits grossmüthig und mit Milde behandelte. Dieswirkte derartig auf die benachbarten Stämme ein (Bojer, Aeduer, Man-dubier u. s. w.), dass sie gleichfalls dem Beispiele der Bituriger folgtenund Alles in kürzester Frist beendet war.

Darnach vertheilte Cäsar an seine Truppen ausserordentliche Geld-belobnungen (an jeden Gemeinen 200 Sesterzien oder ca. 15 Thlr.. anjeden Centurionen 2000 Sesterzien = etwas über 150 Thlr.) *) für ihre

*) 1 Sesterz = 2y 2 As = >/ 4 Denar = wechselnd zwischen l 1 /*2'/ 2 Sgr.; 1000Sesterzien = etwa 80 Thlr. Anmerkung des Uebersetzers.