39. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 97
und Begeisterung, besitzen sie keine hinlängliche Kriegs - Organisationund taktische Ausbildung, und, was die Hauptsache, es fehlt ihnen anEinheit und der nötliigen Uebereinstimmung, und so können sie das nur60,000 Mann starke, aber tapfere, trefflich geschulte, kriegserfahrene,in Strapazen und Kämpfen gestählte und von solch grossem Feldhermwie Cäsar geführte römische Heer nicht überwinden, und sind schliess-lich gezwungen sich zu unterwerfen. Auf diese Weise triumphirt dieUeberlegeuheit des ausgezeichnet geschulten, wenn auch numerischschwächeren ßömerheeres und das Genie seines Feldherrn über das un-organisirte, obgleich an Zahl stärkere, tapfere und von einem geschick-ten Führer befehligte gallische Volks-Aufgebot, oder, mit einem Worte,die Kunst triumphirt vollkommen über die blosse rohe Gewalt.
Nach der Einnahme von Alesia durch Cäsar unterwarfen sich alleaufrührerischen gallischen Stämme ihm aufs Neue, und er legte seineArmee in Winterquartiere. Labienus wurde mit zwei Legionen und dergesammten Keiterei in das Land der Sequaner gelegt (Franche-Comte) imOsten, Fabius undMinucius Basilius mit zwei Legionen in das derEemer(Rheims; im Nordosten. Antistius Keginus mit einer Legion in das Land derAeduer undBojer (Nivernais), Sextius mit einer Legion in das der Bituriger(heute Berry), beide inmitten Galliens, Caninius mit einer Legion in dasLand an der unteren Garumna ;heute Garonne, in Rouergue, im Süd-westen, Cicero und Sulpicius, um für Lebensmittel zu sorgen, der Ersterenach Cabillonum Chälons-sur-Saöne), der Andre nach Matisco (heuteMäcon) am Flusse Arar (Saöne). Auf diese Weise hatte er seine Haupt-kräfte im Osten, Nordosten und der Mitte von Gallien vertheilt, ein Theilseiner Macht (1 Legion) stand im Südwesten; er selbst verfügte sichpersönlich nach Bibracte (Autun).
§. 271.;
Achtes und letztes Kriegsjahr in Gallien (51).
Neue Erhebung der Gallier; Operationen Cäsar's gegen die Bituriger,
Carnuten und Belle-vaker.
Cäsar wünschte und hoffte, dass er seiner Armee in den Winter-quartieren die nöthige Erholung nach den Anstrengungen des Jahres 52werde gewähren können. Allein zu Anfang des Winters erfuhr er, dassdie Gallier einen neuen Aufstand planten, nur auf andrer Grundlage alsim Jahre 52. Sie nahmen nämlich an, dass, wenn ihre gesammte undvereinte Macht auch nicht im Stande gewesen sei, Cäsar Widerstandzu leisten, so doch seine Armee in jedem Fall in die schwierigste Lage
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 4. -