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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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39. Kriege und Feklzüge Julius Cäsar's (öS45 v. Chr.). 95

39 Cohorten an sich gezogen. Nach ihrem Eintreffen machte Labienusgleichzeitig mit der Cavallerie einen Ausfall. Es entspann sich einfurchtbarer Kampf, den die römische Cavallerie zu Gunsten der Römerentschied, indem sie die Gallier im Rücken angriff. Nun wandte sichCäsar mit allen seinen Kräften gegen Vercingetorix. Der Letztere voll-brachte Wunder der Tapferkeit, als er aber den Rückzug des Vergasil-launus und die Unthätigkeit der gallischen Hauptmacht sah, musste erzurückgehen, versammelte seine Truppen und erklärte ihnen, dass,wenn sie sich unter günstigen Bedingungen ergeben wollten, sie ihn denRömern ausliefern möchten. Und sie ergaben sich wirklich, wurdenaber zu Sklaven gemacht; Vercingetorix wurde gefangen genommen undmusste später bei Cäsar's grossem Triumphe zu Rom hinter dessenSiegeswagen folgen (was Cäsar zum Vorwurf gereicht, da er in derPerson des Vercingetorix nicht den, wenn auch unglücklichen, Heldenehrte).

So endete diese berühmte Belagerung vonAlesia, in welcher die hoheKunst Cäsar's und die ausserordentliche Standhaftigkeit seiner Kriegerinerseits, wie andrerseits die Unthätigkeit der Hauptmacht der galli-schen Hülfstruppen in dem entscheidenden Augenblick, trotz der unge-wöhnlichen Proben von Muth und Tapferkeit, welche Vergasillaunus,Vercingetorix und ihre Truppen ablegten, das Schicksal nicht allein vonAlesia und der Belagerung, sondern ganz Galliens und des Krieges inGallien zur Entscheidung brachten. Die Belagerung von Alesia brachendgültig den Widerstand der Gallier, und wenngleich sie später nochvereinzelte Aufstände versuchten, so war doch ihre Kraft gebrochen,vernichtet, und binnen Jahresfrist war Gallien den Römern vollkommenunterworfen.

Wenn wir die Ereignisse in Gallien während dieses siebenten Kriegs-jahres im Allgemeinen überblicken, so drängt sich die Bemerkung auf,dass niemals vorher in dem ganzen Kriege die Gallier eine so ausserge-wöhnliche Anspannung der Kräfte entwickelt haben. In dem Zeitraumeines Monats brachten 40 von den sämmtlichen 85 Stämmen Galliens240,000 Mann auf, welche mit den in Alesia eingeschlossenen 80,000Mann zusammen eine Zahl von 320,000 Mann ausmachten, gegen die60,000 Mann Cäsar's, mehr als fünfmal so viel! Man kann mit Be-stimmtheit sagen, dass ganz allein die ausgezeichneten Eigenschaftenund Verdienste von Cäsar's Truppen, sowie besonders die hohen Gabenund die Feldherrnkunst Cäsar's selber, und andrerseits der Maugel anEintracht und Einsicht bei den Galliern Cäsar und sein Heer aus dergrössten Gefahr retteten. Wie vortrefflich auch seine Verschanzungs-