94 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
die gallische und warf sie über den Haufen. Die Gallier verloren in-dessen nicht den Muth und trafen während der Nacht Anstalten zu einementscheidenden Sturm gegen den der westlichen Ebene zugewendetenTheil der Circumvallationslinie; sie fertigten Leitern, Faschinen, Sichelnund lange Haken an zum Niederreissen der Pallisaden u. s. w., und mitTagesanbruch gingen sie zum Sturm vor. Zu gleicher Zeit machte auchVercingetorix einen Ausfall gegen die in den Schluchten liegendenTheile der Contravallationslinien. Aber alle Anstrengungen der Gallierauf beiden Seiten waren vergeblich, und mit Sonnenaufgang zogen sichüberall die Gallier zurück.
Jetzt erst kam den Galliern die Idee, dass sie den stärksten Theilder römischen Verschanzungen angegriffen hätten, und sie schicktenkundige Männer aus zur Recognoscirung der ganzen Umgegend dieserLinien. Nördlich von Alesia fanden sie einen hohen Berg, auf dessenGipfel die römischen Truppen die Circumvallationslinien nicht hattenausführen können; sie hatten dieselben daher über den sanften Abhangdieses Berges führen müssen (zwischen Menestreux-le- Pitois undBussy-le-Grand), sodass der Gipfel dieselben bedeutend überragte und den An-griff sehr erleichterte. In Folge dessen wurden 55,000 gallische Kriegerhierzu ausgewählt, unter Befehl von einem der vier Anführer, Vergasil-launus. Der Letztere führte bei Aufgang der Sonne einen entschlossenenAngriff aus, gleichzeitig entwickelten sich die Hauptkräfte der Gallier inSchlachtordnung auf der dem westlichen Theil der römischen Liniegegenüber gelegenen Ebene und machte Vercingetorix einen kräftigenAusfall aus der Stadt gegen die auf der Nordseite liegenden römischenLinien links von Vergasillaunus.
Der heftigste Angriff war der des Vergasillaunus, insofern auch vonErfolg, als die römischen Truppen (die Legionen des Antistius undCanisius) bereits vor der überlegenen Macht zurückzuweichen begannen.Cäsar schickte ihnen den Labienus mit 6 Cohorten zu Hülfe mit demBefehl, wenn er nicht im Stande sei, sich nur auf die Defensive zu be-schränken, durch einen Ausfall zur Offensive überzugehen; gegen Ver-cingetorix schickte er Brutus (den Sohn) mit 6 und den Legaten Fabiusmit 7 Cohorten; er selbst folgte ihnen mit weiteren Verstärkungen, undes gelang ihm nur mit Mühe, das Gefecht zu halten, — so heftig dräng-ten des Vercingetorix Gallier an, so standhaft fochten sie. Von hierwandte er sich zur Unterstützung des Labienus, der sich nur mit äusser-ster Mühe gegen Vergasillaunus hielt; er Hess einen grossen Theil seinerCavallerie aus den Linien vorbrechen gegen den Bücken der anstürmen-den Gallier des Vergasillaunus. Während dessen hatte auch Labienusaus der Verschanzungslinie in der Ebene links von ihm, gegen welchedie Hauptkräfte der Gallier unthätig standen und Nichts unternahmen,