90 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
nen Feldherrnblick und sein Talent, dem Hauptzwecke, den Umständenund seinen Mitteln gemäss zu handeln. Sein Hauptzweck war , sich derrömisch-narbonensischen Provinz zu nähern und bedeutende Kräfte derGallier von dort wegzuziehen. Als er auf dem Wege dorthin auf das anKräften überlegene gallische Heer stiess, dachte er weder an einen Rück-zug, der sein ganzes Werk in Gallien vernichten konnte, noch an einStehenbleiben und die Annahme eines Vertheidigungskampfes, was sei-nem eignen Charakter ebensowenig entsprochen hätte, als der Würdeund Bedeutung der römischen Armee, — sondern auf den ihm entgegen-tretenden Angriffskampf antwortete er sofort durch Uebergang zur Offen-sive, durch geschickte Massregeln und vortheilhafte Vertheilung seinerTruppen, deren treffliches Zusammenwirken (Unterstützung der Cavalle-rie durch Infanterie) die gallische zahlreiche Reiterei zurückwarf und denVercingetorix dadurch zum Rückzüge zwang; seine nachdrückliche Ver-folgung desselben fügte diesem dann nicht nur Verlust an Mannschaftenbei, sondern war von einer moralischen Wirkung, welche einem voll-ständigen Siege gleichkam.
§. 270.
Belagerung von Alesia; Schlacht, Einnahme der Stadt, Ende desFeldzugs; Betrachtungen.
Die Belagerung von Alesia durch Cäsar ist ein solches Meisterstückder Belagerungskunst des Alterthums und zeigt die Ueberlegenheit derrömischen Truppen in dieser Kunst und namentlich auch Cäsar's kriege-risches Genie in so hellem Glänze, dass sie eine ausführliche und längereDarstellung wohl verdient.
Alesia (heute Sainte-Reine auf Mont Auxois, nordwestlich von Fla-vigny, nordöstlich von Semur, im Departement Cöte d'Oij lag auf demGipfel eines isolirten hohen Berges oder eines ovalen Plateaus zwischenzwei Flüsschen (heute Oze und Ozerain), welche den Berg nördlich undsüdlich umfliessen) und nicht weit westlich von demselben in ein drittesFlüsschen (heute die Brenne) münden. Das Terrain westwärts von Alesiabildete eine Ebene von ungefähr 3000 (geometrischen) Schritt Länge,auf deii drei andern Seiten war die Stadt von Bergen umgeben, die etwadieselbe Höhe hatten, als der, auf welchem die Stadt lag, und zwischendenen einige tiefe Schluchten lagen (heute nach Norden zwischen denDörfern Menestreux-le-Pitois und Bussy-le-Grand, nach Osten MontPevenelle und nahe dabei das Dorf Darcey, nach Süden Mont Druauxnahe bei Flaviguy).