39. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 91
Die von Cäsar vorgenommene Recognoscirung des Terrains und derLage von Alesia und des Heeres des Vercingetorix ergab, dass die Stel-lung des Letzteren unerstürmbar, dagegen eine Einschliessung desselbenauf dem Berge durch verschanzte Linien nicht unmöglich war; er hoffteihn dadurch entweder zu zeitigem Abzüge zu zwingen, oder ihn alle Fol-gen einer unabwendbaren Hungersnoth erdulden zu lassen. Die ArmeeCäsar's bestand aus zehn Legionen (etwa 50,000 Mann), der von denGermanen ausgehobenen Reiterei (nach Appian von Alexandrien an10,000 Mann) und den gallischen Hülfstruppen, im Ganzen zwischen 60und 70,000 Mann). Bei Vercingetorix waren, nach Angabe der Histo-riker, etwa 80,000 Mann. Napoleon I. bezweifelt dies, weil Alesia nurein kleines Städtchen war, in welchem ausser diesem Heere noch dieständigen Einwohner lebten. Jedenfalls lehrt die Geschichte, dass Cä-sar mit 00,000 Mann den Vercingetorix mit 80,000 Mann in Alesia ein-zuschliessen unternahm, ein bis dahin in der Kriegsgeschichte, wie inder Geschichte der Belagerungen unerhörtes Beispiel, denn es ist be-kannt , dass der Belagerer einer Festung, wenn er Erfolg haben wollte,mindestens doppelt so stark sein musste, als der Belagerte. Allein die-ses Missverhältniss der Kräfte erhöht nur noch die Kühnheit des Ent-schlusses Cäsar's, dessen grosse Kunst bei der Ausführung von entschie-denem Erfolge und von Einfluss war, nicht allein bezüglich des Schick-sals von Alesia, von Vercingetorix und der gallischen Truppen, sondernvon ganz Gallien.
Vor Allem besetzte Cäsar die Alesia umgebenden Berge im Norden,Osten und Süden mit einigen Legionen in verschiedenen befestigten La-gern. Zur selben Zeit bestimmte er die Richtung der Contravallations-linien rund um den Berg, auf welchem Alesia lag, und die Punkte für23 viereckige hohe Erdschanzen.
Kaum waren diese Arbeiten begonnen, so ging Vercingetorix mitseiner Reiterei in die westliche Ebene. Dort entspann sich ein sehr hart-näckiger Kampf zwischen der gallischen und der römisch-germanischenReiterei; die letztere schlug die erstere und warf sie in Unordnung undmit Verlust zurück.
Als die hohen Schanzen erbaut waren, liess Cäsar sie dem Terrainentsprechend durch stark befestigte Linien verbinden. Dies war mit un-geheuren Schwierigkeiten und Mühen verknüpft: das Erdreich war zuErdarbeiten sehr ungeeignet, ausserdem mit Höhen und Schluchten insehr weiter Ausdehnung durchschnitten, nämlich auf mehr als 11,000geometrische Schritte im Umfang. Während die Arbeiten noch gemachtwurden, musste ein Theil der Truppen beständig unter den Waffen blei-ben , um den unter den Stadtmauern aufgestellten gallischen TruppenWiderstand zu leisten.