84 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
nöthigten, die eben erst begonnenen Operationen gegen Gergovia undVercingetorix zu unterbrecben.
Einer der vornehmsten Aeduer, Convictolitanis, welchen Cäsar zumOberhaupte dieses Stammes ernannt hatte, empörte sich mit seinen An-hängern gegen die Römer und schickte die 10,000 Mann, die dem Cäsarversprochen waren, unter Führung des Litavicus, scheinbar zur Vereini-gung mit Cäsar, factisch aber gegen diesen zur Vereinigung mit Vercin-getorix ab. Unterwegs erschlug das Corps des Litavicus die mit grossenTransporten ihm folgenden Römer und marschirte direct nach Gergovia.
Zwei andere vornehme Aeduer dagegen, Eporedorix und Virduma-rus, welche dem Cäsar treu geblieben waren, führten die aeduische Rei-terei zu ihm und erklärten, dass die Aeduer keinen Theil hätten an derEmpörung des Convictolitanis. Ohne Säumen brach Cäsar, unter Zu-rücklassung von 2 Legionen vor Gergovia unter dem Befehl des LegatenFabius, persönlich mit 4 Legionen und seiner gesammten Cavallerierasch in das Land der Aeduer auf. Nach Zurücklegung von etwa 25römischen Meilen (= 5 deutsche Ml. = 35 Werst) stiess er auf das Corpsdes Litavicus und verlegte demselben durch seine Reiterei den Weg.
Als die Soldaten des Litavicus sahen, dass sie getäuscht wordenund jetzt einer Niederlage ausgesetzt seien, warfen sie die Waffen wegund baten um Gnade, Litavicus entfloh mit seinen Helfershelfern nachGergovia. Cäsar erklärte den Aeduern, dass er ihren Landsleuten ver-zeihen wolle, obschon er berechtigt sei, sie hinzurichten, und marschirtedann sofort nach Gergovia zurück. Auf dem halben Wege dorthin er-hielt er von Fabius die Meldung, dass seine 2 Legionen in ihrem Lagerdurch überlegene feindliche Kräfte angegriffen und vollständig erschöpftseien, grosse Verluste erlitten hätten, und am folgenden Tage einen er-neuten Angriff erwarteten. Cäsar beschleunigte daher seinen Marschthunlichst und langte noch vor Sonnenaufgang in seinem Lager an; dieGallier führten indessen keinen neuen Angriff aus.
Bald danach kam von Bibracte (Äutun) die Nachricht, dass Convic-tolitanis und seine Partei neue Unordnungen erregt, die in der Stadt be-findlichen Römer ermordet und die draussen befindlichen ausgeplünderthätten. Aber die andern Volksführer schickten aus Furcht vor Cäsar's RacheGesandte zu ihm mit der Erklärung, dass sie und die Mehrzahl des Vol-kes an diesen Unordnungen nicht Theil genommen hätten, und baten ihn,die von ihnen gestellten Truppen zurückkehren zu lassen. Trotz alledembegannen sie sich zum Kriege zu rüsten und die benachbarten Stämmedazu aufzureizen. Cäsar wusste dies, empfing indessen die Gesandtenfreundlich und entliess sie mit geneigter Zusage. Nichtsdestowenigerbegann seine Lage in Gallien beunruhigend und nicht ungefährlich zuwerden, denn von allen Seiten drohte ihm ein allgemeiner Angriff. Des-