Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

38. Kriege und Feldziige Julius Cäsar's (5845 v. Chr.). (j5

zeugt habe. Ganz ebenso schwierig- und gefährlich war es auch für dierömische Cavallerie sich mit Jenen zu schlagen, weil.dieselben häufigsich nur zur Flucht wendeten um sie von den Legionen wegzulocken,und die römische Cavallerie daher beim Ktickzug sowohl wie bei derVerfolgung des Feindes stets einer Niederlage ausgesetzt war. Ausser-dem fochten die Britannier nie in Massen, sondern in gesonderten Ab-theilungen , mit Reserven hinter sich, welche sich gegenseitig unter-stützten und verstärkten.

Der General Lossau*) bemerkt bei diesem Anlass, dass es durchausunwahrscheinlich sei, dass Cäsar nicht um dieser Gründe willen hätteversuchen können, seinen Truppen das erforderliche Uebergewicht imKampfe gegen die Britannier zu verschaffen, indem er von ihnen dieAufstellung und Kampfart annahm, welche den römischen Soldaten er-hebliche Vortheile gebracht haben würden. Man kann deshalb nur be-dauern, fügt Lossau hinzu, dass Cäsar über die von ihm den Britannierngegenüber getroffenen Gegenmassregeln schweigt, und man darf wohlannehmen, dass er hierüber deshalb Nichts sagt, weil das aus kampfge-wohnten und durch Kriegsstrapazen gestählten Soldaten bestehenderömische Fussvolk durch Gewandtheit und Geschicklichkeit den Mangelan andern Vorzügen gegen die Britannier ersetzte, oder auch weil eineVeränderung der Aufstellung uud Kampfart während des Krieges selbstschwierig und bedenklich war und weil der Oberfeldherr sich allerVeränderungen von solchen Kriegsmanövern und Formationen etc.,an welche die Soldaten einmal gewöhnt sind und in die sie Vertrauenhaben, enthalten soll. Was die römische Cavallerie anbelangt, sagtLossau, so zeigte sie in der nächsten Affaire soviel Klugheit und Ge-schick, dass das Vertrauen zu ihr nur wachsen konnte.

Am folgenden Tage nämlich erschienen die Britannier vor dem rö-mischen Lager, fassten in einiger Entfernung von demselbsn in augen-scheinlich nur geringer Stärke zwischen einigen Hügeln Posto. und be-gannen mit der römischen Cavallerie zu scharmutziren, obgleich weni-ger lebhaft als sonst. Als aber gegen Mittag Cäsar drei Legionen mitder gesammten Reiterei unter dem Befehl des Legaten Trebonius aufFonragirung ausgeschickt hatte, da wurden diese von allen Seiten vonden Britanniern angegriffen. Die römischen Truppen warfen sich ent-schlossen auf sie und schlugen sie zurück; die römische Reiterei aber,in dem Bewusstsein, dass das Fussvolk hinter ihr zur Unterstützung be-reit stehe, verfolgte den Feind, Hess ihm nirgends Ruhe noch Zeit zumSammeln und brachte ihm grosse Verluste bei. Die von allen Seitendem Feinde zukommenden Verstärkungen trafen zu spät ein und gingen

*) Lossau: Ideale der Kriegführung, 1. Bd. 1. Abthlg. S. 372.

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 4.