66 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus {323—30 v. Chr.).
bei der allgemeinen Flucht nach Hause zurück. »Nach dieser Zeit«,sagt Cäsar, »haben die Feinde niemals mehr alle ihre Truppen gegen dieRömer ins Feld gestellt.«
Ihre Absichten errathend marschirte er zu dem Flusse Tamesis (heut.Themse), um in das Gebiet des Cassivellaunus einzufallen. Das feindlicheHeer stand an der andern Seite des Flusses hinter Holzpallisaden, es hattesogar im Flusse unter der Wasserfläche spitze Pallisaden eingeschlagen,die man nicht sehen konnte; Cäsar hatte aber durch Ueberläufer Kundedavon erhalten. Er befahl nun der Cavallerie durch die einzige vor-handene Furt den Fluss zu überschreiten und Hess das Fussvolk derReiterei folgen. Der Infanterie ging das Wasser bis an den Hals, sieeilte aber so rasch durch den Fluss und griff den Feind so ungestüman, dass dieser nicht Stand zu halten wagte und sich zur Fluchtwandte.
Dieser Durchgang Cäsar's durch die Tamesis giebt, obgleich derErfolg ihn rechtfertigte, doch zu denselben Bemerkungen Anlass, wiewir sie oben gelegentlich der ersten Landung an der Küste von Britan-nien zu machen hatten.
Cassivellaunus entliess darnach sein Heer und behielt nur 4000 M.beisammen, welche in Streitwagen kämpfend die Bewegungen der Rö-mer beobachten sollten. Zu diesem Zwecke hielt er sich in einiger Ent-fernung von den Römern, verbarg sich in Wäldern und Verstecken,schickte Einwohner und Vieh in die Waldungen und griff die römischeReiterei von allen Seiten an, sobald sie sich irgendwo zeigte. Dazuverwendete er seine Streitwagen, und da er Wege und Stege genaukannte, so hielt er die Römer in beständigem Allarm, sodass ihre Rei-terei zuletzt gar nicht mehr wagte auf Recognoscirungen des Terrainsund des Gegners vorzugehen.
Inzwischen hatten die Stämme, welche die heutigen GrafschaftenEssex und Middlesex bewohnten, um Frieden gebeten. Cäsar bewilligtedies unter der Bedingung, dass sie 40 Geiseln und Lebensmittel für dierömische Armee lieferten.
Diesem Beispiele folgten viele Nachbarstämme, sodass für Cäsarnur noch die Einnahme des Hauptaufenthaltsortes des Cassivellaunuserübrigte. Er rückte daher vor dessen von Wäldern und Sümpfen um-gebene Stadt, in welche sich eine grosse Menge der Bewohner der Um-gegend mit Vieh und Habe eingeschlossen hatte. Diese Stadt warNichts weiter als ein mit Erdwall und Graben umschlossener Raum ineinem dichten Walde. Cäsar griff sie von zwei Seiten an und nahm sienach heftiger Gegenwehr mit Sturm. Die Einwohner flohen aus einerder freien Seiten, bei der Verfolgung wurden aber viele von ihnen gefangen genommen oder getödtet, in der Stadt auch viel Vieh weggenommen