38. Kriege und Feldziige Julius C'äsar's (53—45 v. Chr.). 63
samen Vaterlandes Gallien gegen die Römer wahren wollten. Cäsar,der hiervon gehört hatte und 25 Tage durch widrige Winde zurückge-halten wurde, that alles Mögliche, um Dumnorix von seinen bösen Ab-sichten abzubringen. Sobald aber Cäsar's Truppen bei günstigem Windesich einzuschiffen begannen, entfloh Dumnorix mit der gesammten Ca-vallerie seines Stammes. Cäsar Hess ihnen durch den grössten Theilseiner Reiterei nachsetzen, mit dem Befehle, ihn lebendig oder todt zugreifen. Dumnorix setzte sich zur Wehre, wurde aber in dem entstehen-den Kampfe getödtet.
Cäsar Hess den Legaten Labienus mit drei Legionen und 2000 MannReiterei (im Ganzen etwa 17,000 Mann) zum Schutz des Hafens von Itius,zur Errichtung von Vorrathsmagazinen, Aufrechthaltung der Ruhe inGallien und mit dem Auftrage, je nach Umständen zu handeln, zurück.Als alle Truppen (fünf Legionen und 2000 Mann Cavallerie, im Ganzen22 — 27,000 Mann) die Schiffe bestiegen hatten, lichtete die Flotte, überS00 Schiffe stark, bei Sonnenuntergang die Anker und kam am folgendenMorgen an derselben Stelle der britannischen Küste an, wo Cäsar imvorigen Jahre gelandet hatte. Bis zu Mittag hin war die Ausschiffungohne jede Störung erfolgt, und nur durch Gefangene erfuhr Cäsar, dassdie Britannier beim Anblick der zahlreichen Flotte entsetzt vom Meeres-ufer fort in die Berge geflohen seien.
Diese zweite Landung Cäsar's zeichnete sich vor der ersten in vielerHinsicht vortheilhaft aus. Bei der ersten hatte sich bald Mangel anLebensmitteln eingestellt, auch war die Bagage grösstentheils zurückge-blieben. Bei der zweiten dagegen konnten die Truppen einige Zeit langmit ihren eigenen Mitteln auskommen, bis Cäsar die seinen Absichtenentsprechenden Verpflegungsmassregeln getroffen hatte. Die Truppen,welche all ihr Gepäck hei sich hatten, genossen grosse Bequemlichkei-ten ; die Reiterei war bei ihnen, ausserdem waren sie an Zahl weit stär-ker als das erste Mal. Alle diese Verbesserungen gründeten sich auf dieErfahrungen vom vorigen Jahre.
Vor allen Dingen wählte Cäsar einen günstigen Platz für das Lager,liess in demselben zum Schutz der Flotte zehn Cohorten nebst 300 Rei-tern unter Befehl des Q. Atiius zurück und marschirte ungefähr diehalbe Nacht vorwärts den Feind aufsuchend. Auf etwa 12 Meilen(L7 Werst = 2y 2 deutsche Meilen) vom Ufer entfernt entdeckte er dieBritannier. Sie waren mit Cavallerie und Streitwagen vorwärts zumUfer eines Flusses marschirt, um dem Cäsar den Uebergang über den-selben zu verwehren, begannen von der Anhöhe herab, auf der sie stan-den, den übersetzenden Römern durch von fern geschleuderte Wurfge-schosse Widerstand zu leisten, wurden aber durch die römische Reitereizurückgeworfen und zogen sich in einen hinter ihnen liegenden Wald