37. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 57
queme und ungünstige Lage des Ortes für eine Landung erkennend,wartete Cäsar die Ankunft des Bestes seiner Flotte ab und fuhr dann umdie neunte Tagesstunde (3 Uhr Nachmittags) unter Benutzung von Windund Fluth etwa 8 Meilen (11 Werst = IV2 Ml.) von dieser Stelle zueinem flachen und offenen Ufer*). Die Britannier folgten ihm längsdes Ufers, ihre Beiterei und Streitwagen vorausschickend. Cäsar's Lan-dung war mit den grössten Schwierigkeiten verknüpft wegen des niedri-gen Wasserstandes, der schweren Bewaffnung und Belastung der römi-schen Krieger und der hartnäckigen Vertheidigung der Britannier,welche mit ihren Bögen lebhaft die Römer beschossen und ihre selbst indas Wasser sich hineinwagenden Beiter und Streitwagen erfolgreich ver-wendeten. Cäsar aber dirigirte seine Kriegsschiffe (Kuderschiffe) an dasUfer zu beiden Seiten der Lastschiffe (Segelschiffe), hielt durch heftigesFeuer aus den Wurfmaschinen und mit Geschossen aller Art gegen die Flan-ken der Britannier diese letzteren auf und zwang sie sogar etwas zurück-zuweichen. Zur selben Zeit warfen sich seine Soldaten, angefeuert durchdas Beispiel eines Adlerträgers der zehnten Legion, von den Schiffen in'sWasser und an's Ufer und griffen die Feinde in der Front an. Nach hef-tigem Kampfe, in welchem alle Vortheile auf Seiten der Britannier wa-ren, namentlich wegen ihrer vorzüglichen Reiterei und Streitwagen, warfCäsar sie endlich doch zurück, konnte aber in Ermangelung von Caval-lerie sie nicht verfolgen und total schlagen. Nichts desto weniger gabensie den Comius frei, den sie anfänglich in Ketten gelegt hatten, undschickten ihn mit ihren Gesandten zu Cäsar, um diesen um Frieden zubitten, stellten auch auf Cäsar's Anfordern Geiseln.
Vier Tage darauf wurden schon Angesichts des Ufers die mit derCavallerie herangekommenen achtzehn Transportschiffe plötzlich voneinem heftigen Sturme ereilt, der sie theils zurückwarf an die UferGalliens, theils an die westlichen Ufer Britanniens schleuderte. In derdarauf folgenden Nacht, bei Vollmond, setzte eine ausserordentlich hef-tige Springfluth das an der Landungsstelle aufgeschlagene Lager Cäsar'sunter Wasser und beschädigte die an's Land gezogenen Kriegsschiffe wieauch die vor Anker liegenden Transportschiffe in bedeutendem Maasse,so dass viele derselben zu weiterem Dienste unbrauchbar wurden undzum Theil ganz verloren gingen.
Durch diese zwei gleichzeitigen, für Cäsar höchst nachtheiligenund gefährlichen Ereignisse angereizt, ausserdem durch die geringe An-zahl von Cäsar's Truppen ermuthigt, vergassen die Britannier ihres
*) Wo, ist unbekannt: Einige meinen, aber nicht recht glaubhaft, dass esbei Deal gewesen sei. So viel steht jedenfalls fest, dass Cäsar's Landung Boulogneund Calais gegenüber stattfand.