56 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
ermahnte sie, in ihren Entschlüssen fest zu bleiben, und gab ihnen denGallier Coinius mit, den er nach dem Siege über die Atrebaten (Gegenddes heutigen Arras in Artois) zum König oder obersten Führer diesesStammes ernannt hatte, da er ihn als einen tapfern, klugen und ihm(Cäsar) sehr ergebenen Mann kannte, der ausserdem, wie Cäsar sagt,in Britannien in grossem Ansehn stand (was höchst zweifelhaft). Cä-sar trug ihm auf, möglichst viele Stämme Britanniens zu besuchen, siedem römischen Volke zu Freunden zu machen und von seiner nahe be-vorstehenden Ankunft in Kenntniss zu setzen. Volusenus kehrte seiner-seits , nachdem er von den Ufern Britanniens so viel gesehen hatte, alses möglich war ohne das Schiff zu verlassen, nach fünf Tagen zurückund theilte Cäsar seine Beobachtungen mit (sehr dürftige und unge-nügende' , auf Grund deren Cäsar nun die für die Ueberfahrt und Lan-dung erforderlichen Anordnungen traf. Während er noch mit den Vor-bereitungen dazu beschäftigt war, schickten die Moriner Gesandte zuihm , mit der Erklärung, dass sie bereit seien Alles auszuführen, wasihnen befohlen werde. Erfreut über diesen Zufall, der ihm seinen Rückendeckte , ohne dass er zu den Waffen zu greifen und in so vorgerückterJahreszeit noch Krieg zu führen brauchte, nahm Cäsar die Unterwerfungder Moriner an, Hess sich eine grosse Zahl Geiseln von ihnen stellen undschiffte dann an dem Orte, wo er sich befand, zwei Legionen (siebenteund zehntel auf achtzig Transportschiffen ein; auf die vorhandenenKriegsschiffe vertheilte er den Quästor, die Legaten und Präfecten , dieReiterei erhielt den Auftrag sich auf achtzehn Transportschiffen, welcheb Meilen davon (11 Werst = iy 2 Ml.) durch die Winde zurückgehaltenwurden, einzuschiffen 4 ). Den übrigen Theil seiner Armee unter demBefehle der Legaten Sabinus und Cotta schickte er in das Land der Me-napier und an die Küsten des Theiles der Moriner, der sich ihm nichtunterworfen hatte; im Lager an der Stelle, wo er selbst sich einschiffte,liess Cäsar den Legaten Sulpicius Rufus mit einer für den Schutz desLagers ausreichenden Abtheilung zurück. Dann lichtete er beim erstengünstigen Winde um die dritte Nachtwache (zwischen Mitternacht und3 Uhr Morgens) die Anker, fuhr zur Küste von Britannien hinüber undging um die vierte Stunde des folgenden Tages (10 Uhr Morgens) Ange-sichts der sehr hohen, steilen und mit bewaffneten Feinden besetztenUfer Britanniens vor Anker, allerdings nur mit den Schiffen, auf wel-chen die Infanterie eingeschifft war; die Schiffe mit der Cavalleriehatten ihre Abfahrt verzögert und waren zurückgeblieben. Die unbe-
*: Nach Napoleons I. Ansicht im heutigen Etaples, nach Anderer Meinung be-stieg Cäsar selbst beim heutigen Wissant die Schiffe, die Reiterei dagegen beimheutigen Boulogne (damals Gessariacum); wieder Andere meinen, gerade umge-kehrt.