54 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Angustus (323—30 v. Chr.).
tigcn und Cäsar von Gallien abschneiden. Auch auf einer Schiffbrückewollte Cäsar nicht über den Rhein gehen, denn er fürchtete, dass dieGallier sie zerstören oder der Strom sie fortreissen könnte. Deshalbbaute er also am Zusammenfluss von Mosel und Rhein *) eine Brücke aufPfählen, deren Construction er sehr ausführlich beschreibt und auf dieer sehr stolz ist; Plutarch aber und die andern alten Schriftsteller preisendieselbe als ein Wunder, obgleich wirklich nur die für damalige Zeitgrosse Ausdehnung, Schwierigkeit und Schnelligkeit dieser Art von Ar-beit zu bewundern ist, welche der römische Feldherr, von seinen Solda-ten geliebt, durch diese ausfuhren lassen konnte. Die Construction derBrücke selber bietet gar nichts sonderlich Bewundernswertb.es dar. DieBrücke ward für die damalige Zeit und Verhältnisse in sehr kurzer Zeiterbaut, nämlich im Ganzen in zehn Tagen, und nach beiden Seiten durchBrückenköpfe geschützt. Dann ging Cäsar über den Rhein, Hess in denBrückenköpfen starke Besatzungen (Truppenabtheilungen) und rücktemit der Armee in das Land der Sigambrer ein. Auf dem Wege dorthinkamen Gesandte von einigen Stämmen zu ibm und baten um Friedenund Freundschaft; er empfing sie sehr freundlich und forderte Geiseln.Die Sigambrer hatten sich mitsammt der zu ihnen geflohenen Reitereider Usipeter und Tenchterer rechtzeitig aus ihrem Lande entfernt und inWäldern verborgen. Nachdem er ihre Ländereien und Saaten verheerthatte, ging Cäsar in das Gebiet der Ubier, versprach ihnen seine Hülfegegen die Sueven und erfuhr, dass alle hundert Bezirke oder Cantonedieser Letzteren ihre Weiber, Kinder und ganze Habe in die Wälder ge-flüchtet hätten, die waffenfähigen Männer aber sich in der Mitte ihresausgedehnten Landes*") sammelten und dort die Römer erwarteten, festentschlossen sie zu bekämpfen. Auf die Nachricht hiervon, sagtCäsar, und da er alle von ihm beabsichtigten Resultateseines Zuges über den Rhein erlangt hatte, nämlich dieZüchtigung der Sigambrer und die Befreiung der Ubiervon den Sueven, und da solchergestalt Alles erfülltwar, was Ehre und Vortheil des Staates erforderten,kehrte er (Cäsar) nach achtzehntägigem Aufenthalt aufdem rechten Rheinufer über diesen Fluss zurück undliess die Brücke hinter sich abbrechen. Allein bei genauererunparteiischer Betrachtung seiner Operationen jenseits des Rheines wirdman sich leicht davon überzeugen, dass die Resultate derselben höchst
*) An der Stelle, wo später die Stadt Confiuentia oder Confluentes 'h Coblenz)entstand, nicht aber bei Bingium (h. Bingen), oder bei Moguntiacum oder Moguntium(h. Mainz), wie Einige meinen.
**) Nach Einiger Meinung in Südwestdeutschland oder Schwaben und den an-grenzenden Gegenden, nach Andern inmitten Germaniens, westlich der Oder.