Ji". Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 53
dazu bevollmächtigt. Ebenso wenig war er berechtigt die Auslieferung derReiterei der Usipeter und Tenchterer von den Sigambrern unter dem Vor-geben zu fordern. als ob die Eeiterei eines von ihm besiegtenVolkes ihm gehöre. Was aber die Hülfe gegen die Sueven an-belangt, um die ihn, wie er angiebt, die Ubier so dringend gebetenhatten, so forderte eine gesunde Politik, wie es scheint, dass er nichtdas zahlreichste, mächtigste und kriegerischste Hauptvolk der Germanen— die Sueven •—- gegen sich reizte und in Waffen brachte, denn daskonnte ihm viel Sorge machen und Abbruch thun in Germanien, ja sogarin Gallien. Noch war die Macht der Römer in dieser letzteren Gegendso wenig befestigt, so wenig sicher, und Cäsar hatte im Verhältniss zuder Ausdehnung des Landes und der Notwendigkeit dasselbe im Zaumzu erhalten, so wenige Truppen bei sich, dass Otfensiv-Operationcnausserhalb der Grenzen des Landes in benachbarte Gebiete schädlichund gefahrvoll und daher sowohl für alle Kräfte als für einen Theil der-selben unmöglich waren; es blieb daher nur übrig, die Grenzen Gal-liens sorgsam zu vertheidigen und die benachbarten Völker am Eindrin-gen in dieses Land zu verhindern oder den Einwohnern desselben Hülfezu leisten. Mit einem Worte, Cäsar hätte innerhalb Galliens offensivverfahren, an den Grenzen aber sich lediglich auf die Defensive be-schränken und nicht an Angriffsoperationen über dieselben hinaus denkensollen. Aber der Ehrgeiz war in ihm stärker als Verstand und Vorsicht,und in blindem Vertrauen auf sein Glück schritt er zur Ausführung seinerAbsicht, ging über den Khein und unternahm einen achtzehntägigenFeldzug gegen die Germanen, der allerdings für Cäsar keinerlei wichtigeund erspriessliche Resultate hatte, und nur durch den Bau einer Brückeüber den Rhein durch Cäsar bemerkenswerth ist. Nach Cäsar's Angabelehnte er das Anerbieten der Ubier, ihm Schiffe zu stellen, deshalb ab,weil er diese Art über den Rhein zu gehen, weder seiner selbstnoch des römischen Volkes würdig erachtete und es vorzogauf einer stehenden Brücke überzugehen, wie schwierig auch immerhinder Bau einer solchen sein mochte. Aber es unterliegt wohl keinemZweifel, dass sein wahrer Grund eine sehr kluge und lobenswerthe Vor-sicht war: denn es ist augenscheinlich, dass eine feste Brücke sowohlden gleichzeitigen Uebergang erheblicher Truppenmassen auf das rechteRheinufer, als ihren Rückzug auf das linke Ufer, wie auch ihre je nachBelieben offensiven oder defensiven Operationen auf dem einen oder an-deren Ufer besser zu sichern vermochte, als ein Uebersetzen auf Schiffen,das nur eine geringe Truppenzahl hinüber zu bringen und in den Kampfzu führen gestattete und — was die Hauptsache — das äusserst unsicherund sogar gefährlich war, namentlich im Fall eines Misslingens odereines Rückzuges; denn die Gallier konnten sich der Schiffe bemäeh-