37. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 51
biete der Ubier (Köln und Unigegend) niederzulassen, welche ihn soebengegen die Sueven zu Hülfe gerufen hätten. Die Gesandten baten, dasser wenigstens nicht weitergehen möge, bis sie erst mit einer Antwortzurückgekehrt seien; Cäsar aber lehnte dies ab und setzte seinen Marschfort, da er wusste, dass die Usipeter und Tenchterer einen grossen Theilihrer Reiterei*) auf das linke Maas-Ufer (Süd-Brabant und ProvinzAntwerpen) geschickt hatten, um zu fouragiren, und nur deren Rückkehrabwarten wollten.
Als Cäsar sich nur noch 12Meilen (ca. 17 Werst=2'/ 2 deutsche Ml.)von ihnen befand, stiess er abermals auf ihre Gesandten, welche mitdenselben Bitten wie vorher kamen, die ihnen aber wieder abgeschlagenwurden. Nun baten sie, dass wenigstens: erstens Cäsar seiner Avant-garden-Cavallerie befehle die Usipeter und Tenchterer nicht anzugreifen,zweitens ihnen erlaubt werde, in das Land der Ubier zu ziehen, unddrittens ihnen ein dreitägiger Waffenstillstand bewilligt werde. ObgleichCäsar ihnen nicht traute, so versprach er doch nicht über '/ 2 Meile (röm.)weit vorzugehen (nicht ganz 1 Werst, etwa 1000 Schritt) bis zu einer Stelle,wo Wasser zu finden, und befahl der Reiterei die Usipeter und Tenchterernicht anzugreifen; sollte sie selbst aber von Jenen angegriffen werden,so solle sie sich bis zu seiner (Cäsar's) Ankunft halten. Kaum hattenjedoch die 800 Reiter, welche bei den Usipetern und Tenchterern zurück-geblieben waren, die Reiterei Cäsar's entdeckt, so attaquirten sie dieselbesogleich (in Folge eines Missverständnisses, — wie man annehmen muss),warfen sie über den Haufen und trieben sie in die Flucht; die Römerhatten 74 Mann verloren *-*). Cäsar aber schob dies auf die schlechte undhinterlistige Gesinnung der Usipeter und Tenchterer und beschloss, sichin keine Unterhandlungen mit ihnen weiter einzulassen, sondern gegensie vorzugehen und sie unerwartet anzugreifen. Am folgenden Morgen,als er im Begriff stand den Marsch anzutreten, kam eine grosse SehaarUsipeter und Tenchterer, an ihrer Spitze ihre Magistrate und Aeltesten,in sein Lager, um den Angriff am vorigen Tage zu entschuldigen undeinen Waffenstillstand abzuschliessen. Cäsar Hess sie Alle verhaften,formirte sein Heer in drei Linien, die am vorhergehenden Tage geschla-gene Reiterei dahinter, rückte rasch vor und stiess, nachdem er 8 Meilen(über 11 Werst =iy 2 deutsche Ml.) zurückgelegt, auf das Lager der Usi-
*) Die Usipeter und namentlich die Tenchterer waren als ausgezeichnete Reiterbekannt.
**) Die wahrscheinlichen Ursachen der Flucht dieser 5()u0 römischen Reiter vorden800 Mann der Usipeter und Tenchterer waren: 1) die ausgezeichnete Güte undder plötzliche Angriff der Letzteren, und 2) die Unachtsamkeit der Ersteren und dasUngeschick und die Fehler ihrer Führer.
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