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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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Seite
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37. Kriege und Feldziige Julius Cäsar's {öS15 v. Chr.). 49

Nachdem solchergestalt gleichzeitig die Unterwerfung der Veneterund der Stämme im nord- und südwestlichen Gallien erfolgt war,brach Cäsar gegen Ende des Sommers mit seinen Hauptkräften in dasGebiet der Moriner und Menapier auf (Umgegend von Boulogne und einTheil von Flandern und Brabant;, welche allein noch von allen StämmenGalliens nicht unterworfen in Waffen standen und fest entschlossen wa-ren, ihre Unabhängigkeit zu vertheidigen, indem sie den Krieg inmittender ausgedehnten Waldungen und Sümpfe führten, von denen ihr Landbedeckt war. Am Eingang der Waldungen angekommen *] schlug Cäsardie Feinde zurück, welche ihn angriffen, als er gerade sein Lager befesti-gen liess, legte dann in ausserordentlicher Schnelligkeit binnen wenigenTagen eine weite Waldstrecke nieder*") und schickte sich bereits, nach-dem er Vieh und einen Theil der Bagage dem Feinde abgenommen hatte,au, weiter in das Innere der Waldungen vorzudringen, als eintretendeheftige Kegengüsse ihn zwangen, alle weiteren Arbeiten sowie die Ope-rationen gegen die Menapier und Moriner einzustellen und nach Verhee-rung ihrer Fluren und Verbrennung ihrer Dörfer und Häuser seine Ar-mee in den Ländern der Aulerker, Lexovier und der angrenzendenStämme***), welche sich vorher dem Sabinus unterworfen hatten,Winterquartiere beziehen zu lassen. Darauf reiste er persönlich in dascisalpinische Gallien.

In diesem Feldzuge verdient besonderes Lob und Beachtung dieXheilung, welche Cäsar mit seinen Streitkräften vornahm, aber seine Er-folge gegen die Veneter verdankte er mehr dem Zufall und Glück, diegegen die Stämme des nord- und südwestlichen Galliens dem klugen,vorsichtigen und geschickten Verhalten des Sabinus und Crassus; über-haupt lag die Ursache seiner Siege gegen alle diese Stämme mehrin dem leichtsinnigen, unüberlegten Auflodern der Gallier, der Uneinig-keit ihrer Stämme, dem Mangel an gleichem Sinn, an Ausdauer, regel-rechter Kriegsorganisation und militärischer Ordnung, trotz all ihrernumerischen Stärke und Tapferkeit, und endlich in der entschiedenenUeberlegenheit der trefflich organisirten und disciplinirten, wenn auchwenig zahlreichen römischen Armee. Was die Grausamkeit Cäsar'sgegen die Veneter anbelangt, so lässt sie sich durch Nichts rechtferti-gen ; der Feldzug aber gegen die Moriner und Menapier war unge-recht, nutzlos und hatte nur die Befriedigung des Ehrgeizes Cäsar's zum

*) In der Nähe des heutigen Terouanne unweit St. Omer in Artois.

**) Er ging hierbei stets weiter vor, indem er seine Front und Flanken mit Ver-hauen von gefällten Bäumen deckte.

**) Le Maine, Le Perche und der Bezirk der Städte Evreux und Lisieux in derNbrmandie.

Galitz in, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 4. a