48 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Letzteren standen aber schon in voller Kampfbereitschaft da, fielen un-vermuthet ans den vorderen und hinteren Lagerthoren hervor über diedurch das Ersteigen des Berges ermüdeten Gallier tapfer her, warfensie im ersten Anprall zurück, trieben sie in die Flucht, verfolgten sielebhaft und machten dabei einen grossen Theil derselben nieder. InFolge dieses Sieges unterwarfen sich alle Einwohner dieses Theiles vonGallien (heutige Normandie) dem Sabinus.
Zur selben Zeit hatte Crassus, nachdem er Vorräthe und Verstär-kungen zu Fuss und zu Pferde an sich gezogen, die aus den an Aquita-nien grenzenden Gebieten von Tolosa, Carcasso, Narbo und andererStädte der römischen Provinz entnommen waren, die Garumna (heuteGaronne) überschritten und war in das Land der Sontiaten eingefallen ').Die Sontiaten rückten ihm mit zahlreichen Schaaren zu Fuss und zuPferde entgegen, wurden aber nach einem hartnäckigen und lange wäh-renden Kampfe geschlagen, und Crassus belagerte nun ihre Haupstadt(Lectourej. Die Einwohner dieser Stadt waren sehr geschickt im unter-irdischen Minenkriege (weil es in Aquitanien sehr viele Bergwerke gab)und wehrten sich daher sehr lange Zeit; endlich aber, da sie einsahen,dass alle ihre Anstrengungen vergeblich seien, unterwarfen sie sich undgaben dem Crassus ihre Waffen und Geiseln. Crassus zog darauf weiterin das Land derVocaten und Tarnsaten **). Diese beiden Stämme hatteneine grosse Zahl Männer aus dem an Aquitanien grenzenden Hispanienzu Hülfe gerufen, darunter viele höhere Offiziere und Soldaten, welchenoch unter des Sertorius Befehlen gedient hatten. Diese Letzteren be-schlossen ein Lager zu beziehn, das nach römischer Art verschanzt war,dasselbe nicht zu verlassen, wohl aber thunlichst dem Crassus Abbruch anLebensmitteln zu thun und abzuwarten bis ihn der Hunger zum Abzügezwingen werde. Crassus aber, um dem zu entgehn, griff sie, sehr ver-ständiger Weise, unverweilt in ihrem Lager an, und zwar mit seinerHauptmacht in Front und Flanken, mit seiner Keiterei und vier Cohortenim Rücken da, wo das Lager weniger befestigt war, und nahm es mitSturm. Von 50,000 in demselben befindlichen Aquitaniern und Hispa-niern wurden drei Viertel im Lager oder auf der Flucht aus demselbenniedergemacht, — und durch diesen Sieg in Bestürzung versetzt, unter-warf sich ein grosser Theil der aquitanischen Stämme***) dem Crassus.
*) Der Bezirk der Stadt Lectoure am Fluss Gers in der Gascogne.**j Die Vocateu in der Gegend des heutigen Bazas auf dem linken Garonne-ufer im Guyenne'schen; die Tarnsaten im Le Tursan, District der Stadt Aire amAdourfluss in der Gascogne.
***) Die Tarbeller (heute um Stadt Dax), die Bigerrionen (Bezirk von Bigorre),Vocaten, Tarusaten, Elusaten (Pays d'Euze), Ausker (Pays d'Auch' und einigeAndere (alle in der Gascogne und einem Theil von Guyenue).