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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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37. Kriege und Feldziige Julius Cäsar's (5845 v. Chr.). 45

nahmen die von Crassus gesandten Unterfeldherren fest und Hessen demCrassus sagen, dass "sie diese frei lassen würden, wenn er ihnen dieGeiseln zurückgäbe; inzwischen beschlossen sie einstimmig, ihre Unab-hängigkeit aufrecht zu erhalten und um keinen Preis sich den Römern zuunterwerfen.

Durch Crassus hiervon benachrichtigt, ordnete Cäsar sofort den Bauvon Seeschiffen auf dem Liger (Loire) an und liess aus der Provinz (demrömischen Gallien) Ruderer, Matrosen und Steuermänner kommen.Sobald dies Alles ausgeführt war und die Jahreszeit es erlaubte, gingCäsar selbst zur Armee. Auf die Nachricht von seinem Eintreffen trafendie Veneter und ihre Bundesgenossen die eifrigsten Vorbereitungen zurVertheidigung, häuften grosse Kornvorräthe in ihren Städten auf, brach-ten möglichst viele Schiffe in den venetischen Häfen zusammen undschlössen ein Bündniss mit den Osismiern, Lexoviern , Nannetern (oderNamnetern), Ambianern, Diablintern, Morinern und Menapiern *), undriefen auch die Britannier zur Hülfe herbei. Nicht ohne Grund hatten siegrosse Hoffnung gesetzt in die vielen für sie höchst günstigen. und denRömern nachtheiligen Umstände, welche ihnen die Führung des Kriegesin ihren Landen und Gewässern erheblich erleichtern, den Römern abererschweren mussten. Ein grosser Theil der Städte, in denen ihre Haupt-streitmacht zu Lande wie zur See, ihre Hülfsmittel und ihre Materialiengesammelt waren, lagen an der Meeresküste auf Vorgebirgen oder Un-tiefen. Die Zugänge zu denselben und somit auch ihre EinSchliessungund Belagerung waren sehr schwierig, zu Lande wegen der vielenWasserläufe, zur See wegen der Ebbe und Fluth, welche sehr heftig undbeständig zweimal täglich stattfand. Ausserdem lag für die Städte derVeneter und ihrer Bundesgenossen noch ein Schutz darin, dass bei Be-lagerungen von der Landseite her die Römer sich in diesem Landeschwer mit Proviant versorgen und deshalb unmöglich lange in demsel-ben verweilen konnten; von der Seeseite her aber waren die Veneterund ihre Verbündeten den Römern in jeglicher Hinsicht entschiedenüberlegen. Sie übertrafen diese 1) an Zahl, Grösse, Construction,Bewaffnung und Einrichtung der Schiffe, und 2) an Kenntnissenund Erfahrungen im Seewesen überhaupt und besonders in der genauenKenntniss der Küstengewässer, Sandbänke, Häfen und Inseln, Winde,der Strömungen und Gezeiten des Oceans, kurzum Alles dessen, was aufdie Schifffahrt in denselben Bezug hatte, einer Schifffahrt, die unver-gleichlich schwieriger und gefahrvoller war, als jene im mittelländischenMeere; was für diese bretagnischen Gewässer erforderlich war, das

*) Diese Stämme bewohnten sämmtlich die heutige Bretagne, Normandie undTheile der Pieardie.