44 III- Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
sehen Flecken Octodurus *), den er mit Wall und Graben befestigte.Nach einigen Tagen aber erfuhr er, dass die Veragrer und Seduner, ausFurcht, dass sie vollkommen von den Römern unterworfen werden soll-ten, und in Verachtung der schwachen Abtheilung Galba's, die sie leichtbesiegen zu können hofften, plötzlich die Bergeshöhen rund um Octodu-rus besetzt hätten; und noch ehe er seine Verschanzungen einiger-massen beendet hatte, griffen sie Galba von allen Seiten an.
Nach einem erbitterten hartnäckigen Kampfe, der länger als 6 Stun-den währte, konnten Galba's erschöpfte Truppen sich nur noch mitMühe gegen den an Zahl überlegenen Feind halten und liefen Gefahr,gänzlich aufgerieben zu werden: da hatte zu ihrem Glück Galba den klu-gen Gedanken, dem Rathe eines Tribunen und eines Primipilen folgend,aus allen Ausgängen gleichzeitig einen Ausfall zu machen, und griff denFeind so ungestüm und für ihn unerwartet an, dass dieser 10,000 Mannauf dem Platze liegen Hess; die Uebrigen wurden in die Flucht gejagt,verfolgt und zersprengt. Trotz dieses wichtigen Erfolges hielt sich Galbadoch ferner in diesem Lande nicht sicher vor Gefahr, und da er ausser-dem an Proviant Mangel litt, so zog er in das Land der Nantuater undvon da mit seinem gesammten Corps in das Land der Allobroger, wo erWinterquartiere bezog.
Inzwischen hatte der junge Crassus, welcher, wie oben gesagt, dieUnterwerfung der Seestämme des westlichen Galliens erreicht hatte,seine Legion (die siebente) im Lande der Anden (heute Anjou) **) inWinterquartiere gelegt und behufs Heranholens von Lebensmitteln,woran er Mangel litt, einige Präfecten und Tribunen in das Land derEusubier***), Curiosoliten und Veneterf) gesandt. Die Veneter warendas weitaus wichtigste und bedeutendste der Völker an der ganzen Mee-resküste, weil sie die grösste Anzahl von Schiffen hatten, mit denen sieHandel nach Britannien trieben, im Seewesen mehr Kenntnisse und Er-fahrungen besassen als alle ihre Nachbarn, und alle Seehäfen in Besitzhatten, was alle andern seefahrenden Nationen ihnen zinspflichtigmachte. Auf ein von ihnen gegebenes Zeichen erhoben sich alle Küsten-bewohner, uneingedenk ihres ersten Schreckens, gegen die Römer,
*) Das heutige Martigny.
**) Nach Napoleon's I. Ansicht lag Crassus in der Nähe des heutigen Nantes ander unteren Loire.
***) Turpin de Crissö hält dies für einen Irrthum, und meint, die Präfectenund Tribunen seien nicht zu den Eusubiern, welche in der Gegend des heutigenAlengon wohnten, folglich zu entfernt waren', sondern zu den Lexoviern ge-schickt worden, welche die Umgegend des heutigen Coutances bewohnten.
+) Die Veneter wohnton indem heutigen Morbihan in der Bretagne; ihre Haupt-stadt war Darioriguni (das heutige Vannes).