4ß III. Vom Tode Alexander's d. ßr. bis zn Angnstus (323—30 v. Chr.).
kannten die Römer ganz und gar nicht, und deshalb waren die Veneterund ihre Verbündeten auch überzeugt, dass die Römer von den vonihnen erbauten Schiffen keinen Nutzen ziehn würden.
Es ist hieraus ersichtlich, welche Schwierigkeiten sich dem Cäsarim Kriege mit den Venetern und deren Bundesgenossen entgegen stell-ten. Und diese Schwierigkeiten mussten sich noch dadurch vermehren,dass sie unfehlbar den successiven Aufstand aller Stämme Galliens, derden Römern unterworfenen wie der nicht unterworfenen nach sich ziehnmussten, denn alle waren sie von Hass gegen der Römer Joch und vonLiebe zur Unabhängigkeit erfüllt. Cäsar erkannte dies Alles. Um dieKräfte der Gallier zu theilen, die Bildung eines allgemeinen oder wenig-stens eines starken Bündnisses der gallischen Stämme zu verhindern undzugleich sich in Flanken und Rücken zu decken, fasste er den klugenEntschluss, seine eignen Kräfte zu theilen. Zu diesem Zwecke schickteer den Labienus mit einem Theile der Reiterei in das Land der Trevirer(Bewohner des heutigen Triers und Umgegend), den Crassus mit zwölfCohorten und einer grossen Anzahl Reiterei in das aquitanische Gallien,den Titurius Sabinus mit drei Legionen in das Gebiet der Veneller, Cu-riosoliten und Lexovier, — den Ersteren, um die Belgier und tiberrhei-nischen Germanen im Zaum zu halten, die beiden Andern um die aqui-tanischen Gallier resp. die Stämme des südwestlichen Galliens zu tiber-wachen. Den jungen Decimus Brutus stellte er an die Spitze der Flotteund der gallischen Schiffe, welche er von den Pictonen (im heutigenPoitou) und den übrigen mit den Römern im Frieden lebenden Stämmenzusammengebracht hatte, und befahl ihm so rasch als möglich zu denKüsten der Veneter zu steuern. Er selbst machte sich mit seinem ganzenFussvolk in das Land dieser Letzteren auf.
Nach Eroberung einiger venetischer Städte sah er ein, dass erweder die Flucht der Veneter aus einer Stadt in die andere verhindern,noch dieselbe, da sie stets zu Wasser erfolgte, beunruhigen könne, erbeschloss daher die Ankunft seiner Flotte abzuwarten. Als diese er-schien, gingen ihr die Veneter mit 220 vortrefflich ausgerüsteten undbewaffneten Schiffen entgegen. Die Schiffe von Cäsar's.. Flotte standenin Construction und Ausrüstung weit hinter denen der Veneter zurlickund hatten ihrerseits nur einen Vortheil, nämlich den, dass sie mitscharfen Sicheln an langen Stangen (in Art der Sichelhaken, corvus,Raben) versehen waren. Die Römer schnitten mit diesen Sicheln dieTakelage der venetischen Schiffe entzwei, beraubten die Veneter dadurchder Möglichkeit ihre Schiffe zu lenken, enterten diese Letzteren undnahmen sie dann im Handgemenge auf dem Verdeck weg, worin sie denVenetern entschieden überlegen waren. Zum Glück für sie trat zur sel-ben Zeit eine vollkommene Windstille ein, und nach hartnäckigem vom