Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

Legion, die Veromanduer die achte und elfte, und die Nervier selbstdie siebente und zwölfte, welche von ihnen in der rechten Flankeumfasst wurden; selbst in den Rücken des römischen Lagers drangen dieNervier vor. Dies Alles wurde, nach Cäsar's Worten, so unerwartet undrasch ausgeführt, dass nicht allein die römische Armee nicht sich in ge-höriger Weise zum Kampf zu formiren vermochte, sondern die Soldatennicht einmal Zeit hatten, die Helme aufzusetzen und die Ueberzüge vonden Schilden abzunehmen. Während dessen stürzten die Cavallerie unddas leichte Fussvolk Cäsar's, die über den Fluss zurückgeworfen waren,in wilder Flucht nach allen Richtungen davon; ihrem Beispiele folgtenalle Nichtcombattanten, die Wagenknechte und bei der Bagage befind-lichen Leute u. s. w., und selbst die trevirischen Reiter, welche für dietapfersten von allen gallischen galten, entflohen eiligst in ihr Land, indemsie auf dem Wege überall die Nachricht von der vollständigen Niederlageder Römer verbreiteten.

In dieser äusserst schwierigen Lage war Cäsar's Armee der Gefahrausgesetzt, aufs Haupt geschlagen, ja sogar gänzlich vernichtet zu wer-den, und nur zwei Umstände waren es, wie Cäsar mit edler Offenheitselbst eingesteht, welche sie retteten: erstens der, dass die zumKampfe vorzüglich eingeschulten Truppen, die in den vorhergehendenAffairen mit dem Feinde die nöthige Erfahrung gewonnen hatten, vonselber sehr gut wussten, was sie zu thun hatten, und zweitens der,dass bei jeder Legion sich Legaten befanden, welchen Cäsar auch beidieser Gelegenheit, wie überhaupt ein für allemal, untersagt hatte, sicheher von den Arbeiten zu entfernen, als bis das Lager vollständig be-festigt sei, und welche deshalb jetzt selber und nach eignem Ermessendisponiren konnten, ohne Befehle von Cäsar abwarten zu müssen. JedeLegion formirte und vertheidigte sich da, wo sie grade stand, so gut esdas Terrain und die Kürze der Zeit erlaubte, getrennt von den übrigenLegionen, ja sogar ohne sie in dem dichten Gesträuch sehen zu können.Auf diese Weise war die Armee in einzelne Theile zersplittert und standin einer unregelmässigen Linie in Gestalt eines Dreiecks oder einesscharf vorspringenden Bogens formirt, und es war keine Möglichkeit,weder eine Einheit in ihrer Verwendung und Action herzustellen, nochVerstärkungen zu den jeweilig schwächsten Punkten zu entsenden. Cä-sar war zuerst bei der zehnten Legion in der linken Flanke, sprach ihrMuth ein und befahl ihr zum Angriff vorzugehen, dann eilte er von Le-gion zu Legion, sie in gleicher Weise anfeuernd, weiter zur rechtenFlanke. Labienus, der die neunte und zehnte Legion zusammengerafftund die ihm gegenüber befindlichen Atrebaten zurückgeschlagen hatte,folgte ihnen auf der Ferse nach zum Flusse und weiter durch denselbenbis zum feindlichen Lager, dessen er sich bemächtigte, bei der Verfol-