36. Kriege und Feldzüge Julius Cäsnr's (58—45 v. Chr.). 37
hatten ihnen mitgetheilt, dass während des Marsches zwischen den Le-gionen eine Menge Bagage folgte und deshalb es leicht sei die Legionendurch plötzlichen Angriff einzeln zu schlagen und die Bagage ihnen ab-zunehmen. Dies schien um so leichter ausführbar, als das Terrain amSabis selber waldig und durchschnitten und folglich für das Unternehmenund die Action der Nervier sehr günstig war, deren Hauptkraft im Fuss-volk lag, während ihre Reiterei numerisch schwach und schlecht war.Wirklich beschlossen die Nervier von den ihnen gegebenen NachrichtenNutzen zu ziehen, sie suchten also Cäsar's leichte Cavallerie durch Ver-haue in den Wäldern am Sabis aufzuhalten und legten sich mit ihrergesammten Macht heimlich in einen Hinterhalt auf dem waldbedecktenGipfel eines einzeln stehenden Hügels, dessen Abfall zu dem rechtenUfer des an seinem Fusse vorbeifliessenden Sabis-Flusses sauft und un-bewaldet war; die Flusstiefe betrug an dieser Stelle nur drei Fuss ; längsdes Sabis am Fuss des Hügels stellten sie nur einen Theil ihrer Reitereials Beobachtungs- Posten auf. Gegenüber auf dem andern Sabis-Ufer,etwa 200 Schritt entfernt befand sich ein eben solcher isolirter Hügel mitsanftem Abfall zum Flusse, und diesen hatten die von Cäsar vorausge-schickten Centurionen für das aufzuschlagende Lager ausgewählt.
§. 257.
Schlacht am Flusse Sabis ; Belagerung und Einnahme der Festungder Aduatuker; Unterwerfung der Küsten -Gallier.
Cäsar hatte die Cavallerie vorausgeschickt zum Sabis und folgte ihrdorthin, den Feind mit den Legionen verfolgend; als er aber näher andenselben herankam, veränderte er seiner Gewohnheit gemäss die Rei-henfolge der marschireuden Abtheilungen und liess die sechs alten Le-gionen an der Tete marschiren, hinter ihnen die Bagage und an derQueue die beiden neugeworbenen Legionen folgen. Die Reiterei mit denBogenschützen und Schleuderern ging sogleich nach ihrer Ankunft amFluss über den Sabis und verwickelte sich in ein Gefecht mit der feind-lichen Reiterei; die sechs vorderen Legionen machten sich an die Arbeitzur Befestigung des Lagers: die neunte und zehnte an der linken Face,die achte und elfte an der vordem dem Fluss zugekehrten, die siebenteund zwölfte an der rechten Seite. Kaum aber erschien hinter ihnen dieheranziehende Bagage, so brachen die Nervier, Atrebaten und Veroman-duer aus ihrem Hinterhalt heftig gegen Cäsar's Reiterei hervor,drängten sie zurück, folgten ihr rasch auf die andere Seite des Sabis undgriffen nun die sechs Legionen Cäsar's, die an der Schanz-Arbeit waren,von allen Seiten gleichzeitig an, — die Atrebaten die neunte und zehnte