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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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36. Kriege und Feldziige Julius Cäsar's (5S45 v. Chr.). 39

gung eine grosse Menge Atrebaten niedermachend. Auch die achte undelfte Legion im Centrum wiesen endlich die Veromanduer ab und ver-folgten sie bis zum Flusse. Aber die siebente und zwölfte Legionauf der rechten Flanke standen allein und waren von den Nerviernumzingelt, welche sie fast von allen Seiten heftig bedrängten; sie erlitteneinen grossen Verlust an Offizieren und gemeinen Soldaten, büssten einenAdler ein und vermochten sich kaum noch gegen den an Zahl über-legenen und stets noch Verstärkungen erhaltenden Feind zu halten, be-fanden sich überhaupt in einer ganz verzweifelten Lage. In diesem Mo-ment eilte Cäsar zur zwölften Legion herbei. Einem Soldaten den Schildentreissend stürzte er vorwärts, feuerte laut die Truppen an und befahl,die eng zusammengerückten Glieder auseinander zu ziehen. Ermuthigtund begeistert durch seine Anwesenheit, sein Beispiel und seine Tapfer-keit verdoppelten die Krieger der zwölften Legion ihre Anstrengungenund es gelang ihnen dem Andrang der Nervier Stand zu halten, und alsbald darauf auf Cäsar's Befehl die in der Nähe kämpfende siebente Le-gion sich zur zwölften heranzog, konnten beide zusammen sich schonkühner, fester und erfolgreicher vertheidigen. Mit dem Eintreffen aberder dreizehnten und vierzehnten Legion, welche an der Queue marschirtwaren, von der einen Seite, und der zehnten Legion, welche Labienusüber den Sabis zurück ihnen zur Hülfe geschickt hatte, von der andernSeite, neigten sich Uebergewicht und Erfolg ganz auf die Seite der-mer, und es wandten sich nun gegen die Nervier nicht allein die fünfoben bezeichneten Legionen, sondern auch die eilends zurückkehrendeCavallerie und sogar die Trossknechte und die übrigen Nichtcombattan-ten. Die Nervier fochten mit der Wuth der Verzweiflung und mit solcherTapferkeit und Standhaftigkeit, dass Cäsar selbst in seinen Commentarensie mit dem grössten Lobe auszeichnet. Gerade dies war aber auch dieUrsache der fast gänzlichen Vernichtung der Nervier, so dass, als dieGreise, Frauen und Kinder derselben aus den Sümpfen, zwischen denensie sich verborgen hatten, hervorkamen und Cäsar um Gnade baten, essich herausstellte, dass von 600 ihrer Bathsherren nur noch 3 und vonden 60,000 waffenfähigen Männern ihres Stammes nur noch 500 am Le-ben waren. Cäsar hatte Mitleiden mit ihrem Unglück. Er schenkteihnen nicht nur das Leben, sondern liess ihnen auch ihr Land und ihreStädte.

Auf die Nachricht von der Niederlage der Nervier, Atrebaten undVeromanduer kehrten die Aduatuker in ihre Länder zurück und schlössen,nach Bäumung aller ihrer Städte und Festungen sich mit ihrer gesamm-ten Habe in einer von Natur ausserordentlich starken Festung ein : .

*) Heute Falais am Fl. Mehaigne, gleich weit entfernt von Lüttich und Na-mur (Napoleon I.).