36. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 25
Cäsar wie für Ariovist eine besondere Wichtigkeit, und Cäsar, der umjeden Preis dort dem Ariovist zuvorzukommen entschlossen war, er-reichte dies durch forcirte Tag- und Nachtmärsche und legte, nachdemer Vesontio ungehindert eingenommen hatte, eine Besatzung- hinein.
Einige Tage verblieb er in Vesontio, um die Verpflegung der Armeezu organisiren; während dieser Zeit aber verbreiteten die Erzählungender Gallier und Kauf leute von dem ungeheueren Wüchse und der Tapfer-keit, geschickten Waffenhandhabung und dem furchtbaren Anblick derGermanen im ganzen Heere Cäsar's plötzlich einen gewaltigen Schrecken.Vor Allen gaben sich die Kriegs-Tribunen, Präfecten und alle Diejenigendiesem Schrecken hin, welche aus Freundschaft für Cäsar Diesem vonKorn aus gefolgt, aber durch das Leben in Rom verweichlicht waren unddie in den Lagern zu erlangende Unerschrockenheit und Kriegserfah-rung noch nicht gewonnen, hatten. *-) Einige derselben baten sogarunter verschiedenen Vorwänden um Urlaub, Andre verfielen in tiefe Be-triibniss, dachten nur noch an den Tod, und Alle waren mit Aufsetzenihrer Testamente beschäftigt. Allmälig theiltc sich diese Angst auch denalten erfahrnen Kriegern mit, den Centurionen und Offizieren der Caval-lerie, welche, um nicht in den Verdacht der Feigheit zugerathen, sosprachen, als ob sie nicht die Germanen, sondern die schlechten Wege,die ausgedehnten dichten Waldungen und die fast gänzliche Unmöglich-keit des Heranbringens von Lebensmitteln fürchteten. Viele von ihnenerklärten sogar dem Cäsar, dass, wenn er den Befehl zum Aufbruchgebe, die Truppen ihm nicht folgen würden.
Eine so allgemeine ungewöhnliche Furchtsamkeit der ganzenArmee**) drohte äusserst gefahrvoll zu werden und konnte die alier-schädlichsten, ja verderblichsten Folgen haben, wenn Cäsar nicht seinejanze Geistesgegenwart behielt und nur im Geringsten den Kopf verlor.\ber das war nicht Cäsar's Art: gleich Alexander d. Gr. und Hannibalvuehs seine Kraft mit der Grösse der Gefahr, — und im vorliegenden?alle zeigte er sich in seiner ganzen moralischen Kraft, brachte er seinenj'anzen moralischen Einfluss zur Geltung. Er Hess sich nicht vom Zorn
*) Cäsar meint hier die Personen und Bangstufen, welche die oberste Leitung,ach heutigen Begriffen den Gencralstab der Armee bildeten.
**) Nach Turpin de Crisse's Weinung kam sie nur allein davon her, dass Cä-tr seine Soldaten nicht mit Instructionsdienst und Arbeiten beschäftigte, sonderne unbeschäftigt Hess, woraus denn leeres Geschwätz und grundlose Angst ent-and. Auch in diesem Falle lag die Schuld an Cäsar's Unerfahrenheit. Es mussbrigens bemerkt werden, dass Cäsar in seinen Aufzeichnungen sich über dieseanik in seinem Heere deshalb zu verbreiten scheint, um desto schärfer sein eigneserhalten, die Macht seiner Beredsamkeit und seinen moralischen Einfluss hervor-:ben zu können.