26 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
übermannen, griff nicht zur Gewalt und »Strenge oder zur Beschämungder Krieger, sondern er wusste ihren Verstand zu überreden, ihr Gemüthzu erheben. Er berief einen Kriegsrath, zu welchem auch die Centurio-uen des untersten Grades herangezogen wurden und hielt demselben mitjener ihm in so hohem Grade eignen Beredsamkeit eine kräftige, über-zeugende und hinreissende Bede. Indem er den Anwesenden Vorwürfemachte, dass sie sich das Becht anmaassten, über Grund und Zweck derHeeresbewegungen zu urtheilen, stellte er ihnen vor, dass man vonAriovist, der ihm (Cäsar) für den Titel König und Bundesgenosseder Römer verpflichtet sei, billiger Weise unmöglich eine Verletzung derPflichten der Dankbarkeit wie der eines Verbündeten erwarten könne;dass übrigens, wenn derselbe auch wirklich gegen die Römer Krieg füh-ren wolle, sie durchaus keinen Grund hätten, ihn zu fürchten oder anihrer eignen Kraft und an den Anordnungen ihres Feldherrn zu zwei-feln ; dass schon ihre Voreltern unter Marius' Führung mit Ruhm undEhren gegen die Germanen gekämpft und sie besiegt haben, dass nochneuerdings in dem Sklavenkriege ihre ganze Ueberlegenheit über dieGermanen zu Tage getreten sei, obgleich diese mit römischer Organisa-tion und Disciplin vertraut waren; dass die Germanen mehr als einmalvon jenen selben Helvetiern besiegt wurden, über welche vor Kurzemerst die Römer gesiegt hätten; — dass Ariovist seine Siege über dieGallier mehr der Ermüdung und Nachlässigkeit der Gallier, mehr seinereignen List und seinem Glück, als seinem Muth und seiner Tapferkeitverdanke; dass Diejenigen, welche ihre Angst hinter der vermeintlichenGefahr dem Mangel an Lebensmitteln abzuhelfen oder auf schwierigenWegen zu marschiren, verbergen wollten, sich ein ihnen nicht zustehen-des Recht anmaassten, indem sie ihrem Feldherrn nicht vertrauten oderihn zu belehren meinten, wie er sich zu verhalten habe; dass die Sequa-ner, Lingonen und die übrigen mit diesen verbündeten Stämme Getreideliefern würden, das übrigens auch auf den Feldern schon reife; dasshinsichtlich der Wege sie sich bald von deren geringer Beschwerlichkeitund Gangbarkeit überzeugen sollten; dass er nicht glaube und durchausnicht fürchte, es werde ihm das Heer nicht folgen; dass, wenn es je vor-gekommen, dass ein Heer seinem Feldherrn den Gehorsam verweigerte,dies gewöhnlich nur solchen Führern passirt sei, welche selbst daranSchuld waren, entweder durch ihre Misserfolge, oder durch ihre Habgierund Geiz, dass aber sein (des Cäsar] ganzes Leben ebenso Zeugniss gebevon seiner Uneigennützigkeit, wie der Feldzug gegen die Helvetier vonseinem Glück und seinem Kriegserfolge: dass er deshalb nicht alleinden Aufbruch nicht verzögern, sondern ihn noch beschleunigen und inder folgenden Nacht um die vierte Nachtwache ausrücken, dann abersehen werde, ob in seinem Heere das Gefühl der Angst. oder das Be-