21 III. Vom Tude Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (§23—30 v. Chr.).
halter der römischen Provinz, verpflichtet, auf Grund eines Beschlussesdes römischen Senats vom Jahre 61, auf alle Weise die Aeduer undübrigen Bundesgenossen der Römer in Gallien zu schützen. Hierauf er-widerte Ariovist hochmüthig, dass er die Aeduer durch Waffengewaltunterworfen habe, dass weder er den Kömern, noch diese ihm irgendwievorzuschreiben berechtigt seien, wie mit den unterjochten Völkern zuverfahren sei, dass er nicht den Aeduern ihre Geiseln zurückgeben, aberauch nicht sie bekriegen werde, wenn sie ihm nur richtig ihren Tributabzahlten und die übrigen gegen ihn übernommenen Verpflichtungenerfüllten; andernfalls werde sie ihre Eigenschaft als römische Bundes-genossen nicht retten. Was die Drohung Cäsar's anbelange, so erklärteAriovist, dass er sie nicht fürchte, denn bis jetzt habe noch Niemandsich zum Kriege gegen ihn erhoben, ohne dass es sein eigner Schadenund Verderben gewesen sei; wenn Cäsar seine Kräfte mit ihm messenwolle, so werde er an sich erfahren, wessen ein tapferes, bislang nochvon Keinem besiegtes Volk fähig sei, das im Kriegswesen bestens geübtund seit 14 Jahren unter kein Dach gekommen sei.
Gleichzeitig mit dieser stolzen Antwort des Ariovist trafen bei CäsarGesandte der Aeduer und Trcvirer'*) ein mit Klagen, dass der über denRhein herbeigekommene germanische Stamm der Haruden das Land derAeduer verwüste, und dass 100 Kreise oder Cantons der Sueven'') andas rechte Rheinufer gezogen seien und sich anschickten in Gallien ein-zufallen. Cäsar erkannte klar, dass länger zu zögern unnütz und un-statthaft , dass es vielmehr erforderlich sei Ariovist anzugreifen, be-vor er sich durch die Sueven verstärkt habe. Deshalb brach er. nachdemer möglichst viel Lebensmittel zusammengebracht hatte, in Geschwind-märschen gegen Ariovist auf. ' ':
Nach dreitägigem Marsche erfuhr er, dass Ariovist mit seiner ge-sammten Macht nach Vesontio am Dubisfiusse f) ziehe , der Hauptstadtder Sequaner, um sich derselben zu bemächtigen. Vesontio war sehrstark sowohl durch seine Lage, wie durch seine Befestigungen, es lagendarin eine grosse Menge von Kriegsvorräthen aller Art. Deshalb hattees unter den vorliegenden Umständen in kriegerischer Hinsicht für
*) Die Trevirer wohnten in der Gegend des heutigen Trier an der Mosel, in derpreussischen Eheinprovinz.
**) Richtiger: ein Bund von 100 germanischen Stämmen unter der allgemeinenBezeichnung Sueven.
l ) Cäsar giebt nicht an, von wo und wohin, wahrscheinlich aber von der Grenzedes Aeduer- und Lingonenlandes über den Ararfluss in die Mitte des Gebietes derSequaner.
-[-) Das heutige BesanQon am Doubs, in der Franche - Comte, DepartementDoubs.