36. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 19
keineswegs von Helvetiern besetzt gewesen, sondern von Labienus,welchen Considius durch einen seltsamen Zufall für den Feind gehaltenhatte; die Helvetier aber, welche bis zum Tagesanbruch keine Ahnungvon Cäsar's Nähe und der Aufstellung des Labienus in ihrem Rückengehabt hatten, brachen ihr Lager ab und zogen sich eiligst zurück. Aufdiese Weise sah sich Cäsar, zum Theil durch seine eigene Schuld*),einer günstigen Gelegenheit zur Besiegung der Helvetier und zur Been-digung des Krieges gegen sie beraubt.
Am folgenden Tage bog Cäsar, da es ihm schon im höchsten Gradean Lebensmitteln maugelte, zur Seite aus und marschirte zu der 1 8 Mei-len (25 Werst = 3 '/ 2 deutsche Meile) von ihm entfernten Hauptstadt derAeduer, Bibracte (heute Autun), in der sich grosse Getreidevorräthebefanden. Die Helvetier, welche dies für Furcht hielten, vielleicht auchin der Absicht ihn von den Lebensmitteln abzuschneiden. kehrten umund rückten auch gegen Bibracte hin. Bei ihrem Herannahen schickteCäsar ihnen, um sie aufzuhalten, seine gesummte Cavallerie entgegen,er selbst formirte inzwischen seine Armee* 1 ') auf einer nahen Anhöhe,unweit Bibracte, in Schlachtordnung. Voran, auf die Mitte des Abhangs,stellte er die vier alten Legionen (7., 8., 9. und 10.; in drei Linien;dahinter auf den Gipfel des Berges alles Fuhrwerk unter dem Schutzeder zwei neuen Legionen (11. und 12.), der Hülfstruppen und der vonihnen aufgeworfenen Verschanzungen. Die Helvetier, welche gleichfallsalle ihre Wagen hinter sich zusammenfuhren, schlössen die Reihen,wiesen Cäsar's Cavallerie zurück und rückten dann, eine nach vorn,nach den Seiten und nach oben durch die aneinandergehaltenen Schildegedeckte Phalanx"'') bildend, gegen den Berg zum Angriff auf die ersteLinie der Römer vor. Um den Truppen zu zeigen, dass er entschlossensei die Gefahr mit ihnen zu theilen und zu siegen oder zu sterben, stiegCäsar vom Pferde und schickte es zurück; seinem Beispiele folgte seine
*J Indem er den Considius nicht von der Detachirung des Labienus benachrich-tigt, mit Labienus keine Signale verabredet und sich nicht von der Wahrheit derNachrichten des Considius überzeugt hatte (Turpin de Crisse).
Das ganze Heer Cäsar's bei Bibracte bestand, nach Napoleon I. aus:sechs Legionen Fussvolk 30,000 Mann
Eciterei.....' . 4000 -
Hülfstruppen . . 20—30,000 -
Im Ganzen 60—70,000 Mann.Aber die Zahl der Hülfstruppen erscheint zu hoch gegriffen. Cäsar giebt die Stärkeseines Heeres nicht an; es ist aber höchstwahrscheinlich schwächer gewesen, als dieHelvetier.
*!?) Nach Turpin de Crisse zwei grosse Phalangen in der ersten Linie und eine(15,000 Bqjer und Tulinger, in der zweiten als Raserve und zur Bedeckung derWagen.
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