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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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3f>. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (5845 v. Chr.)- 1 7

Sofort nach Besiegung der Tigiirincr schlug Cäsar, ohne irgendwievon Seiten der Helvetier gehindert zu werden*), in 2 4 Stunden eineBrücke über den Arar und überschritt den Fluss, d. h. that in dieser Zeitdasselbe, wozu die Helvetier 2 0 Tage gebraucht hatten! Erstauntüber seine Schnelligkeit schickten sie ihm eine Gesandtschaft, welcheerklärte, dass, wenn Cäsar Frieden wolle, die Helvetier sich da nieder-lassen wollten, wo er es ihnen anweisen werde, wenn er aber Kriegwolle, so solle er nur der Niederlage des Cassius eingedenk sein. Cäsarantwortete kaltblütig, ohne Zorn, dass er den Frieden wünsche, wenndie Helvetier Geiseln geben und die Aeduer, Ambarrer und Allobrogerfür den ihnen zugefügten Schaden entschädigen wollten. »Die Helvetiersind gewohnt Geiseln zu nehmen, nicht zu geben«, entgegneten stolz dieGesandten, und damit endete die Unterhandlung.

Am folgenden Tage zogen die Helvetier weiter nach dem Gebiet derSantonen. Cäsar sendete, um zu erfahren, auf welchem Wege siegingen, ihnen seine gesammte Reiterei nach (theils von den Aeduernund deren Verbündeten, theils aus der römischen Provinz herangezogen),etwa 4000 Mann stark. Fortgerissen durch die Verfolgung und wasdie Hauptsache angeführt von Dumnorix, welcher den Cäsar **) ver-rieth, Hess sich diese Reiterei auf einem für sie ungünstigen Terrain mit500 helvetischen Reitern in einen Kampf ein und wandte sich, Dumno-rix zuerst, zu schimpflicher Flucht. Stolz auf diesen Erfolg fingen dieHelvetier an kühner Halt zu machen und sogar mit den Avantgarde-Abtheilungen Cäsar's anzubinden. Er aber, mehr als halb so schwachwie die Helvetier ***), handelte .sehr vorsichtig, indem er einen allgemei-nen Kampf vermied und sich lediglich darauf beschränkte, unentwegtden Helvetiern zu folgen und ihnen nicht zu gestatten, Futter zu holenund das Land zu verwüsten. Auf diese Weise legte er wie die Helvetier15 Tagemärsche zurück, zwischen beiden stets eine Entfernung von 57 Meilen 'circa 7 Werst kaum über 1 deutsche Meile) belassend.

Je mehr indessen Cäsar sich vom Arar entfernte, um die Helvetiernicht aus den Augen zu verlieren, desto mehr verminderten sich bei sei-nem Heere die Lebensmittel und wuchs die Schwierigkeit sie zu be-

*) Es ist unbegreiflich, warum die 011,000 Helvetier nicht diesen Uebergang der30,000 Krieger Cäsar's, der vor ihren Augen stattfand, verhinderten.

**) Turpin de Crisse und einige andere Schriftsteller machen Cäsar nichtohne Grund zum Vorwurf, dass er nicht hei dieser Gelegenheit den Oberbefehl über 'die Eeiterei irgend einem Römer übertragen habe, da hier keine triftigen politischenGründe vorlagen.

***) Cäsar hatte fünf Legionen oder 30,000 Mann zu Fuss und 4000 Reiter (Labie-aus hatte sich noch nicht wieder mit ihm vereint;, die Helvetier dagegen, wie ge-sagt, 69,000 waffenfähige Männer.

Galitzin, Allgero. Kriegsgeschichte. I, 4. 2