36. Kriege und Feldziige Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 15
Schwiegersohn des Orgetorix, der bei den Sequanern seines hohenRanges und namentlich seiner Freigebigkeit wegen in hohem Ansehnund Gunst stand, um seine Vermittlung. Auf seine Fürbitte erlaubtendie Sequaner den Helvetiern den Durchmarsch, wogegen diese verspra-chen, das Land der Sequaner nicht zu verheeren; beide Völker stelltenzu grösserer Bekräftigung gegenseitig Geiseln.
Die Nachricht, dass die Helvetier beabsichtigten das Land der Se-quaner und Aeduer zu durchziehen, um sich im Gebiet der Santonen*niederzulassen, unweit der Stadt Tolosa oder Toulouse in der römischenProvinz, erfüllte Cäsar mit Besorgniss, da er begriff, welche gefähr-liche Nachbarschaft diese Niederlassung der kriegerischen und denRömern feindlich gesinnten Helvetier werden könne, welche dann überausserordentlich kornreiche Ebenen geherrscht haben würden. Er über-gab deshalb dem Labienus (einem seiner Legaten, zu welchem er dasgrösste Vertrauen hatte) die Besatzung und Vertheidigung des Walls ander Rhone, und verfügte sich, darauf rechnend, dass die Helvetier sichnur sehr langsam bewegen würden, in grösster Eile in das cisalpinischeGallien, hob dort zwei neue Legionen aus (11. und 12.), zog die dreialten (7., 8. und 9.), welche um Aquileja in Winterquartieren gelegenhatten, dazu heran, und eilte nun mit diesen fünf Legionen auf dem kür-zesten Wege in Geschwindmärschen durch die Stadt Ocelum und dieGebiete der Centronen, Grajoceler, Caturiger, Vocontier undAllobrogerindas Land der Segusianer, das an der Nordgrenze der römischen Provinzauf derselben Seite des Rhodanus lag **). Dies Alles vollführte er ingrösster Kürze, trotzdem bei seinem Uebergange über die Alpen dieCentronen, Grajoceler und Caturiger ihm den Weg verlegten und er ge-zwungen war, bei jedem Schritt im Gebirge mit ihnen zu kämpfen, wo-bei er sie jedesmal mit Erfolg zurückwies.
Die Helvetier dagegen waren während dieser Zeit so langsam ge-gangen, dass sie kaum das Gebiet der Sequaner durchzogen und das derAeduer betreten hatten, welches letztere sie schrecklich zu verwüstenund auszuplündern begannen. Die Aeduer als Verbündete der Römerwandten sich mit der Bitte um Hülfe an Cäsar, und zu gleicher Zeit
*) Die frühere Provinz Saintonge, heutiges Departement der untern Charente.auf dem rechten Ufer der untern Garonne.
**) Ocelum ist die heutige Stadt, Exilles in Piomont, an der Strasse über denMontGenevre vonSnsa nachBriancon in Frankreich, Departement der oberen Alpen.Die Centronen, Grajoceler und Caturiger wohnten auf dem Raum zwischen dem heu-tigen Susa und Briancon, die Vocontier im Departement der Dröme, die Segusianerim Departement Rhone, Cäsar nahm also im Allgemeinen die Richtung über Exilles,Briangon, Emlirun, Die und Lyon.