Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323-30 v. Chr.).

Von einem ihrer vornehmsten Führer, dem ehrgeizigen Orgetor ix,aufgereizt, der die geheime Absicht hatte, sich zum Könige zu machen,entschlossen sie sich noch im Jahre 61 aus dem für sie zu engen und vonallen Seiten durch Berge und Flüsse umschlossenen Helvetien fort zuziehen und sich in dem weit geräumigeren und fruchtbaren Gallien nieder-zulassen. Als sie aber die wahren Absichten des Orgetorix und einengeheimen Vertrag entdeckt hatten, den er mit Casticus, dem Anführerder Sequaner, undDumnorix, dem Fürsten der Aeduer*), denbeiden den Helvetiern benachbarten gallischen Stämmen geschlossenhatte, in der Absicht, sich gegenseitig zur Erlangung der Königs-würde zu verhelfen, da wollten die Helvetier den Orgetorix zur Ver-antwortung ziehen und hinrichten; er aber starb zur selben Zeit, oder,wie man annimmt, brachte sich selber um. Dies änderte aber Nichts ander einmal gcfasstcn Absicht der Helvetier sich in Gallien anzusiedeln,und sie verwendeten zwei Jahre (üö59) auf die dazu erforderlichenVorbereitungen, Zusammenbringung von Lebensmitteln, von Vieh undFahrzeugen, und zu ihrer Verstärkung durch Verbündete und Gefähr-ten aus der Zahl der benachbarten Rauraker, Tulinger, Latobriger undder in Noricum angesiedelten Bojer**).

Um aus Helvetien nach Gallien zu ziehen gab es nur zwei Wege:der eine durch das Gebiet der Sequaner über Rhodanus und Jura, engund beschwerlich, auf welchem kaum ein Wagen fahren konnte, und derdeshalb durch eine Hand voll Leute, welche die Passhöhe besetzt hatten,leicht selbst für einen zahlreichen Feind versperrt werden konnte; derandere durch die römische Provinz (d. h. den den Römern gehörendenTheil Galliens), bei weitem kürzer und bequemer. Hier gab es an vielenStellen gangbare Furten durch die Rhone, welche Helvetien vom Landeder Allobroger ***) trennte, und bei Geneva (heute Genf), einer amlinken Rhoneufer gelegenen Stadt der Allobroger, befand sich eineBrücke. Deshalb wählten die Helvetier denn auch diesen letzteren Weg,um so mehr, weil sie hofften, die Allobroger, welche den Römern nichtvollkommen unterworfen waren, auf ihre Seite zu bringen und mit sich

*) Die Sequaner bewohnten die Franche-Comte, die Aeduer den südlichen Theilvon Burgund und die nächstliegenden Gebiete.

**, Die Rauraker bewohnten den südlichen Elsass, etwa um das heutige Basel;die Tulinger und Latobriger, wie es scheint, in ihrer Nähe gleichfalls den Elsassoder Lothringen (nach Andern nördlich des Rheins zwischen diesem und dein Boden-see, Anmerkung des Uebersetzers) ; die Bojer stammten aus dem mittleren Gallien ;Noricum aber umfasste einen Theil des heutigen Baierns und des österreichischenGebietes.

**) Die gallischen Allobroger wohnten in dem heutigen Savoyen und Dau-phine.