3H. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (öS—45 v. Chr.). 5
mehr als ein Marius)«. >Sueton, Cäsar). Sulla hatte richtig prophezeit:in Cäsar war Marius, der grosse Feldherr, aber mit weit gewaltigeremKriegsgenie, Marius, der Feind der Oligarchie, aber ohne leiden-schaftlichen Hass und ohne Grausamkeit, Marius endlich, nicht derMann seiner Partei, sondern der Mann seiner Zeit.
Der nunmehr begnadigte Cäsar wollte aber nicht gleichgültigerZuschauer bleiben bei der blutigen Regierung des Sulla und ging (imJahre 81) nach Kleinasien, wo er bei dem König Nikomedes*) von Bi-thynien eine Zufluchtsstätte fand. Bald nahm er an den Kriegsthatengegen Mithridates Theil, indem er als Volontair unter dem Befehl desPrätors Minucius (oder Marcus) Thermus in der Eigenschaft als contuber-nalis eintrat [contubcmales waren junge vornehme Römer, welche bei demFeldherrn verblieben, seine nächsten Gefährten waren und unter seinerAnleitung das Kriegswesen praktisch erlernten) v *j". Minucius Thermusschickte den Cäsar zu Nikomedes, um diesen zur Mitwirkung bei derBelagerung von Mitylene)zu bewegen. Cäsar brachte dies zu Stande undwar persönlich bei der Einnahme dieser Stadt thätig, wobei er für dieLebensrettung eines römischen Kriegers von Thermus eine Corona uricazur Belohnung erhielt. Bald darnach kehrte er nach Bithynien zurück,um in dem Process eines seiner Clienten, dem er für die ihm in Bithynienerwiesene Gastfreundschaft Dank schuldete, für diesen aufzutreten.Seine häufige Anwesenheit am Hofe des Nikomedes gab seinen FeindenAnlass zu entehrenden Beschuldigungen gegen Cäsar, die später sogarin einigen Debatten des römischen Senates zur Sprache kamen und indie Gesänge der römischen Soldaten übergingen, welche sich seinemTriumphe widersetzten. Cäsar aber trat diesen abscheulichen Gerüchtenmit Unwillen entgegen.
Nachdem er an Kriegsoperationen zu Lande zum ersten Mal bei derBelagerung von Mitylene theilgenommen hatte, fand er Gelegenheit,gleichfalls zum ersten Male sich an Kriegsoperationen zur See zu bethei-ligen auf der Flotte des Proconsuls Servilius (im Jahre 78), welcher mitder Führung des Krieges gegen die cilicischen Seeräuber beauftragt war(s. III. Band, Kapitel 35, VIII, §. 240). Er blieb indessen nicht laugebei Servilius, sondern kehrte auf die Nachricht von Sulla's Tode nachRom zurück (78). Hier hielt er sich verständiger Weise der Nebenbuhler-schaft der beiden Consuln, Lepidus und Catulus, gänzlich fern und zoges vor, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen, indem er mit be-redten Worten die Kameraden Sulla's brandmarkte und sich als Rednerund Patriot zeigte. Zu diesem Zwecke klagte er einen dieser Kameraden
*) Nach Plutareh — Diornedes. Anmerkung des Uebersetzers.
*% S. Allg. Kriegsgesch. des Altertluuns, Bd. 2. S. 104. Anmcrk. d. Uebers.