4 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
den allgemeinen Schluss ziehen, dass Cäsar in körperlicher wie sittlicheBeziehung Eigenschaften in sich vereinigte, welche selten in einenMenschen beisammen sind, nämlich: eine aristokratische Feinheit nntZartheit des Körpers mit dem nervösen Temperament des KriegersGeistesbildung mit tiefen Gedanken, Liebe zur Pracht und zu den schöneiKünsten mit der leidenschaftlichen Neigung zum Kriegsleben in seineiganzen Einfachheit und Strenge, — kurzum die schöne bestechendeäussere Form neben der Energie des Regentencharakters.
Und so hatte der 18jährige Julius Cäsar schon in Rom die allgemeineAufmerksamkeit auf sich gelenkt, als Sulla sich zum Dictator machte(im Jahr 82). Bereits vier Jahre vorher (im Jahre 86) wurde er durch derEinfluss seines Onkels, des berühmten Marius, welcher mit Julia, deiVatersschwester des Julius Cäsar, vermählt war, erst 14 Jahre alt, zunJupiters-Priester ernannt. Mit 1G Jahren ward er gegen seinen Willermit Cossutia^der Tochter eines reichen römischen Ritters, verlobt, aber nachseines Vaters Tode weigerte er sich, sie zu heirathen und vermählte siebein Jahr darnach mit Cornelia, einer Tochter des Cornelius China, deiein Genosse des Marius uud Anführer seiner Partei gewesen war. Ausdieser Ehe ward eine Tochter Julia geboren, die in der Folge mit Pom-pejus vermählt ward.
§.251.Cäsar während seiner Verfolgung und in Kleinasien (82—75).
Mit argwöhnischen und feindlichen Blicken sah Sulla auf Cäsar.Vor Allem wollte er ihn zwingen, sein Weib Cornelia zu Verstössen ; Cä-sar aber fügte sich ihm nicht, ohne Furcht sein Leben dadurch wagend,
Dafür ward er durch Sulla seiner Priesterwürde, der Mitgift seineiFrau und aller Familienerbschaften verlustig erklärt. Um weiteren Ver-folgungen zu entgehen, sah sich Cäsar genöthigt, sich an verschiedenenOrten in der Umgegend von Rom zu verbergen; als er einst von einerdurch Sulla gedungenen Mörderbande ergriffen war, bestach er derenAnführer, Cornelius Phagita, mit 2 Talenten*) und rettete so sein Leben.Indessen war die allgemeine Theilnahme für ihn schon so gross, dassSulla, cinrlnssreichen Fürbitten nachgebend, einwilligte, den Cäsarzu begnadigen, indem er hinzufügte: »Sie sollten ihren Willen haben undsich zufrieden geben; wenn sie aber nur wüssten, dass der, dessen Ret-tung sie jetzt so inständig wünschten, einst die Optimatenpartei, für eliesie doch mit ihm gekämpft hätten, verderben würde! Denn in Cäsar stecke
1 römisches Talent = (>0 Minen = liuOü Denare = 1403'/ 4 Thlr.
Anmerkung des Uebersetzers.