36. Kriege und Feldzüge Julius Cäsaf's (öS—43 v. Chr.). 3
bleiben. »Seine Herablassung«, sagt Plutarcli, »seine Artigkeit, seinWohlwollen im Gespräch und Umgang waren Eigenschaften, die er inhohem, weit über sein Alter hinaus entwickeltem Grade besass und welcheihm die Liebe des Volkes gewannen.«
Zu diesen durch eine glänzende Erziehung entwickelten Naturgabengesellten sich bei ihm auch äusserliche oder körperliche Vorzüge. Seinziemlich hoher Wuchs sowie seine regelmässige Körperbildung gabenseinem Aeusseren eine hohe Anmuth, welche ihn vor Allem auszeichnete.Er hatte schwarze Augen, einen durchdringenden Blick, eine blasse Ge-sichtsfarbe, eine gerade und ziemlich lange Nase, einen kleinen regel-mässigen Mund, aber ein wenig dicke Lippen, was dem unteren Theileseines Gesichtes einen Ausdruck von Wohlwollen gab. während seinebreite Stirn auf besondere Entwickelung der Geistesfähigkeiten deutete.Sein Gesicht war in seiner Jugend ziemlich voll, aber an den gegen Endeseines Lebens ausgeführten Büsten erscheint es mager und abgezehrt.Cäsar's Stimme war klangvoll und weit tönend, seine Bewegungen vollAnstand, seine ganze äussere Haltung edel und würdevoll. Seine Körper-constitution. Anfangs zart, hatte sich im Laufe der Zeit in Folge seinerMassigkeit im Essen und Trinken, sowie der Gewohnheit, sich allemWechsel der Witterung und jedem Unwetter auszusetzen, bedeutend ge-kräftigt. Von Jugend auf an alle körperlichen Uebungen gewöhnt, war erein ausserordentlich kühner und geschickter Reiter und ertrug mit Leich-tigkeit Entbehrungen und Mühen. Im gewöhnlichen Leben enthaltsam,schädigte er seine Gesundheit durch keinerlei Ausschreitungen, weder inder Anstrengung noch im Genüsse *). Sein Aeusseres pflegte er mit vielerSorgfalt: er rasirte seinen Bart glatt und kämmte sein Haar von hintennach vorn, was ihm in reiferen Jahren eine Glatze auf dem Kopfe zu be-decken ermöglichte. Er trug eine geputzte Kleidung, eine mit Besatzverbrämte Toga und einen nachlässig um den Leib geschlungenen Gürtel,nach Art der weichlichen Stutzer jener Zeit. Aus diesem Anlass hatteauch Sulla gesagt, dass man vor diesem nachlässig gegürteten Knabenauf der Hut sein müsse. Cäsar liebte ferner Bilder, Statuen, Edelsteineund trug stets einen Ring am Finger mit einer darauf eingeschnittenenDarstellung einer bewaffneten Venus, zur Erinnerung an seine vermeint-liche Abstammung von Venus und Anchises.
So wird uns Julius Cäsar als Jüngling, bis zum 18. Lebensjahre, inkörperlicher, geistiger und sittlicher Beziehung durch Plutarch und vielerömische Schriftsteller geschildert. Aus dieser Darstellung kann man
*) Es ist bekannt, dass Cäsar an der fallenden Sucht litt, ebenso, dass er sichöfters den Ausschweifungen der Wollust hingab; dennoch war sein Körper ab-gehärtet und fähig, die Miihsale des Krieges, wie die ungeheuerste rastlose Thätig-keit zu ertragen. Anmerkung des Uebersetzers.
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