(109)erfahren hatten, nichts auszurichten seye. Sie wußtennoch sehr wohl, wie es dem Quintilius Varusergangen; es schwebte ihnen noch in gar zu frischerGedächtniß, wie Germanicus, der im Lande der Che-rusker sogar bts an die Weser vorgerückt war, sichvergebens bemüht hatte, den Teutschen beizukommen.Man war daher blos bedacht, das diesseitige Teutsch-land zu erhalten; man baute Castelle, verſah dieſeOerter mit Kriegsschaaren, und suchte sich so diediesseitigen teutschen Bewohner des Rheinufers ganzeigen zu machen. Die Lage Cölns war die bequem-lichste zur Anlegung eines Castells; man trachteterömischer Seits darauf, um die Ubier, die ohnehinmehr Römisch gesinnt waren, mit sich auf immer zuvereinigen um sich ihrer Kräfte gegen die Feinde zubedienen. Dies war die größte Staats=Ursache derRömer bei Einlegung der Colonien.Tacitus, da er de Moribus Germanis spricht,will unsern Ubiern die eingeführte Colonie als einebesondere hohe Ehre und Gnade anrechnen; denner sagt: „Ubii quaquam Romana Colonia esse me-ruerint.“ (Die Ubier hätten verdient römisch zu werden.) Mit diesen Gedanken wurden sie eingeschläfert.Brölman, Gelenius und andre auswärtigeSchriftsteller geben dieser Stelle des Tacitus ihrenBeifall. Inzwischen haben die Cölnischen Biedermän-ner Grund und auch keinen Grund, auf Claudiusund Agrippina, wegen der allhier eingeführtenColonie, stolz zu seyn. Sie haben erstens Grund,wenn man betrachtet, daß Cöln in dieser ersten kri-tischen Periode, ohne die Römer und ohne die hierangelegte Colonie, sich nie so hoch gebracht habenwürde. Die Ubier waren ein Raub ihrer Landsleute
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