Druckschrift 
Bruder Rausch : Facsimile-Ausgabe des aeltesten niederdeutschen Druckes (A) nebst den Holzschnitten des niederlaendischen Druckes (J) vom Jahre 1596
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

Allein diesen bezeichnenden Übereinstimmungenzwischen O und V stehen nun auch bedeutendeAbweichungen gegenüber, in denen V sich bereitsmeist zu D stellt. Es sind in der Hauptsachefolgende: 1. V lokalisiert die Geschichte in demehemaligen dänischen Cisterzienserkloster Esrom.2. Bruder Albrecht in O erscheint hier als Ruus, derzunächst als Küchenjunge dient und erst nachTötung des Meisterkochs in dessen Stelle ein-rückt, um später nach glänzenden Proben seinerKochkunst zum Bruder gemacht zu werden. 3 InV klingt bereits ein vielversprechendes Motiv:Verführung der Mönche zur Unkeuschheit leiseherein, während umgekehrt die Hervorhebungdes Abtes in O und dessen Verführung zumFleischgenuss, vom Prior und den ältestenMönchen unterstützt, verschwunden ist. Darausfliesst der Übelstand, dass in (V wie in D) dieTötung der Kuh durch Ruus zur blossen Episodeherabsinkt, in G hingegen mit jenem Motiv inkausalem Zusammenhang steht. 4. In V zeigtdie Teufelsversammlung eher den Charakter einesElfenreigens im Walde, dem übrigens Ruus nichteinmal beiwohnt. 5. An Stelle des Witwensohnesdem die Kuh doppelt vergolten wird, ist ein nichtnäher bezeichneter Bauer (in Dein Klosterhöriger)getreten, und die Tötung sowie die Auffindungdes Tieres ist mit abweichenden Nebenumständenerzählt. 6. Auch der Schluss zeigt eigentümlicheZüge, denn weder die Messe und der Fluchtver-such des Dämonen noch seine Verwandlung inein rotes Pferd hat in G eine Parallele