Druckschrift 
Bruder Rausch : Facsimile-Ausgabe des aeltesten niederdeutschen Druckes (A) nebst den Holzschnitten des niederlaendischen Druckes (J) vom Jahre 1596
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

Freilich bleibt das Alter dieser erschliessbarenlat. Fassung im ungewissen, doch wird man kaumüber das 12. Jh. zurückgehen brauchen. Wichtigerist die Frage: ist dieses Exempel mönchische Er-findung oder hat der geistliche Verfasser einebereits im Volksmund lebende Koboldsage auf-gegriffen und seinem Zwecke dienlich gemacht?Sagen von Hausgeistern, die sich am bischöflichenHaushalt zu Hildesheim oder in der Küche desSchweriner Franziskanerklosters aufhalten hierPück dort Hedekin [Hüdeken] zubenanntwerden schon zum Jahre 1132, resp. 1222 berichtet, 1 )ja die spätere Rauschdichtung scheint von daherauch tatsächlich ein oder zwei Motive entlehnt zuhaben; dass also etwa auch das Motiv inunserer Erzählung der Teufel in der Kücheaus dieser Quelle geflossen sei, diese Möglichkeitkann nicht geleugnet werden, aber notwendig oderauch nur wahrscheinlich dünkt sie mich nicht.Denn wie Jacobus de Vitriaco 2 ) in einem Exempelseiner sermones vulgares einen Teufel in derKirche einführt, wie Caesarius von Heisterbach imDialogus miraculorum 3 ) einen solchen inOestalt eines schönen Jünglings einem Ritter zumtreuen Diener gibt oder Etienne de Bourbon*) imtractatus de diversis materiis predica-bilibus ihn einem Bischofais Kämmererbeigesellt (ohne dass wir in diesen Exempeln etwas anderes

') H Am, Broder Rusche, Jhb. f. ndd Sprachforschung24 (1899)S 81 ff.') J. Bolte, Der Teufel in der Kirche, Zs. f. vgl. Literaturgesch.

N. F. 11. 249 ff.") Hsg. von J. Strange 1851; Dist. V. cap. XXXVI.) J. A. Herbert, CatalogueofRomances inthe British Museum

3, (1910) p 85 n£29.